Chario Lynx Mk II
Chario Lynx Mk II
Die Chario Constellation Lynx MKII ist ein Lautsprecher für Wohnungen, in denen Musik wichtig ist, aber nicht jeder freie Quadratmeter einem HiFi-Altar geopfert werden soll.
Sie ist klein. Wirklich klein. Und trotzdem wirkt sie nicht wie die übliche Kompaktbox, bei der man schon beim Anschauen weiß, dass irgendwann die Worte „für ihre Größe“ fallen werden.
Bei der Lynx geht es um etwas anderes- Sie spielt mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit. Stimmen stehen frei im Raum, Instrumente haben Farbe und Körper, Basslinien kommen schnell und präzise, und das Klangbild löst sich sehr schön von den beiden Gehäusen. Das ist vermutlich die spannendste Eigenschaft der Lynx MKII. Denn Chario versucht hier nicht, einen kleinen Lautsprecher möglichst spektakulär groß klingen zu lassen. Kein künstlich aufgepumpter Oberbass, keine überbeleuchteten Höhen und kein zehnminütiger Wow-Effekt, der nach zwei Stunden nur noch anstrengend wird. Stattdessen bekommt man einen sehr konzentrierten, farbigen und erstaunlich erwachsenen Klang, der gerade mit Stimmen, Jazz, akustischer Musik und gut produzierter Elektronik richtig süchtig machen kann.
Die Constellation Lynx MKII ist das kleinste Modell der Constellation-Serie. Chario entwickelt sie ausdrücklich für kleinere Räume von etwa sechs bis vierzehn Quadratmetern. Das ist ungewöhnlich ehrlich. Andere Hersteller würden vermutlich behaupten, ihr kleinster Regallautsprecher könne nebenbei noch eine Flughafenhalle beschallen. Chario sagt einfach: Gib der Lynx einen Raum, der zu ihr passt, und sie wird dort richtig gut.
Und genau dort ist sie zuhause.
Arbeitszimmer. Schlafzimmer. Ein kleinerer Wiener Altbauraum. Die feine Musikecke neben dem Sofa. Oder ein bewusst kompaktes Wohnzimmer-Setup mit einem guten Vollverstärker, Plattenspieler und Streamer.
Das ist kein Lautsprecher, der versucht, auf dreißig Quadratmetern einen Zwölfzöller zu imitieren. Er konzentriert sich auf die Dinge, die er außergewöhnlich gut kann.
Im Zentrum arbeitet ein 130 Millimeter großer Tiefmitteltöner mit Papierverbundmembran. Darüber sitzt einer der ungewöhnlichsten Hochtöner dieser Klasse: eine satte 38-Millimeter-Soft-Dome-Kalotte mit Waveguide. Während sich ein großer Teil der Branche bei Hochtönern um ungefähr 25 Millimeter bewegt, entscheidet sich Chario ganz bewusst für eine deutlich größere Membran. Der Hochtöner kann dadurch schon sehr tief eingesetzt werden; die Frequenzweiche trennt bereits bei 1.500 Hertz. Das hilft dabei, einen großen Teil des empfindlichen Präsenzbereichs geschlossen und kohärent wiederzugeben.
Und genau das hört man bei Stimmen. Eine gute Stimme über die Lynx hat Gewicht. Nicht künstlich nach vorne geschobenes Gewicht, sondern dieses Gefühl, dass da tatsächlich ein Mensch vor einem steht. Mund, Brust, Atem, Raum. Ein Saxophon bekommt Messing und Luft. Bei einem Klavier bleibt nicht nur der Anschlag übrig, sondern auch der Körper des Instruments.
Ein unabhängiger Test stellte den Mittelton der Lynx besonders heraus und beschrieb ihn als sehr sauber, natürlich und von einer reichen Wärme geprägt. Gleichzeitig wurde ihre Geschwindigkeit und Präzision bei gezupftem Kontrabass hervorgehoben.
Das trifft ihren Charakter ziemlich gut. Warm ist sie, aber nicht weich.
Sie hat Farbe, ohne Aufnahmen mit einer goldenen Schicht zu überziehen. Sie kann durchaus präzise und direkt spielen, nur eben ohne jene aggressive Konturenschärfe, mit der manche Lautsprecher Detail vortäuschen.
Der Bass ist ein gutes Beispiel dafür. Offiziell reicht die Lynx bis 67 Hertz bei minus drei Dezibel. Das wird keinen Subwoofer arbeitslos machen und soll es auch nicht. Chario setzt stattdessen auf einen nach unten abstrahlenden Vented-NRS-Aufbau. Die Bassreflexöffnung sitzt im Boden des Lautsprechers, wobei speziell abgestimmte Gummifüße den richtigen Abstand zur darunterliegenden Fläche sicherstellen.
Dadurch interagiert der Lautsprecher sehr bewusst mit seiner Aufstellfläche. Und das führt zu einer interessanten Besonderheit: Die Lynx muss keineswegs zwingend auf einem klassischen Lautsprecherständer stehen. In einem Test spielte sie auf einem längeren Sideboard sogar etwas ausgewogener und mit etwas mehr Bassfülle als auf dem Stand. Auch die Aufstellung im Regal kann funktionieren. Das macht sie für echte Wohnungen ziemlich attraktiv.
Natürlich sehen die passenden Chario-Stands großartig aus, und frei aufgestellt kann die Lynx eine wirklich beeindruckende Bühne aufbauen. Aber sie zwingt niemanden dazu, das Wohnzimmer nach einem idealisierten Hörraum umzubauen. Diese Flexibilität ist ein Teil der Chario-Philosophie. Die Constellation-Serie wurde ausdrücklich so entwickelt, dass sie auch in unbehandelten Wohnräumen funktioniert, in denen Möbel, reflektierende Oberflächen und asymmetrische Raumgeometrien nun einmal zur Realität gehören.
Interessanterweise lohnt sich trotzdem das Spielen mit der Ausrichtung. Chario selbst empfiehlt eine Einwinkelung auf die Hörposition. In unabhängigen Messungen und Hörversuchen zeigte sich allerdings, dass eine etwas offenere, teilweise sogar nahezu parallele Aufstellung den Hochton in manchen Räumen besonders schön ausbalancieren kann. Die Lynx reagiert also hörbar auf ihren Winkel, ohne daraus eine neurotische Angelegenheit zu machen.
Ein Samstagnachmittag reicht. Keine Lasermessung. Keine Kreidemarkierungen am Parkett. Einfach hören, ein paar Zentimeter verschieben, noch einmal hören.
Irgendwann rastet die Bühne ein. Und dann zeigt die Lynx, was sie wirklich kann.
Ihre räumliche Darstellung ist nämlich deutlich größer als ihr physisches Auftreten. In einem ausführlichen deutschen Test wurde besonders hervorgehoben, wie plastisch sich die Bühne aufbaut und wie konsequent sich die Lautsprecher aus dem Geschehen herausnehmen können. Stimmen und Instrumente bleiben nicht an den Boxen hängen, sondern verteilen sich frei im Raum.
Das ist echtes HiFi.
Nicht, weil plötzlich jedes Triangel-Geräusch aus drei Metern Entfernung millimetergenau geortet werden kann. Sondern weil man irgendwann nicht mehr bewusst auf die Anlage hört.
Man hört die Platte. Und dann die nächste.
Gerade bei moderaten Lautstärken ist die Lynx besonders schön. Ihr Klangbild behält Struktur und Farbe, auch wenn man abends nicht mehr das ganze Haus an der neuen Pressung von „Mezzanine“ beteiligen möchte. Gleichzeitig kann sie erstaunlich dynamisch spielen, solange man akzeptiert, dass hier eben ein 13-Zentimeter-Treiber und kein großer Standlautsprecher arbeitet.
Das ist eine Grenze, aber keine Schwäche.
Wer wirklich tiefen elektronischen Bass mit körperlichem Druck möchte, ergänzt einen guten Subwoofer. Interessanterweise zeigte sich die Lynx in Tests dabei als unkomplizierter Partner, und die Entlastung vom Tiefbass kann zusätzlich mehr Pegelreserven und noch mehr Klarheit im Mittelton schaffen.
Allein gespielt ist ihr Bass eher schnell als monumental. Kontrabass hat Kontur. Ein E-Bass besitzt Rhythmus. Kickdrums schlagen sauber ein. Die Lynx versucht nicht, den Raum mit künstlicher Tieftonmasse zu beeindrucken, und genau dadurch wirkt sie musikalisch so geschlossen.
Auch technisch ist sie kein Lautsprecher, den wir mit irgendeinem zufällig herumstehenden Mini-Verstärker verheiraten würden.
Die Empfindlichkeit liegt bei 87 dB, die Nennimpedanz bei 4 Ohm und das Minimum bei rund 3 Ohm. Chario nennt 100 Watt an 4 Ohm als maximale durchschnittliche Verstärkerleistung.
Das heißt nicht, dass man ein Kraftwerk braucht - Aber die Lynx mag gute Elektronik.
Ein Verstärker mit sauberer Stromlieferfähigkeit und etwas Kontrolle holt aus ihr deutlich mehr heraus als ein nominell leistungsstarkes, aber lustloses Gerät. Gerade weil der Lautsprecher so schön auf Raum, Textur und feine Dynamik spielt, lohnt sich eine Quelle und Verstärkung, die diese Qualitäten nicht schon vorher begräbt. Das macht sie interessant für Anlagen, die wachsen dürfen. Man kann mit einem vernünftigen Verstärker beginnen und später aufsteigen. Die Lynx wird nicht sofort zum schwächsten Glied. Im Gegenteil: Sie zeigt ziemlich bereitwillig, wenn die Elektronik vor ihr besser wird.
Und dann ist da noch das Gehäuse. Man muss die Lynx einmal in der Hand gehabt haben, um zu verstehen, warum Fotos ihr nicht ganz gerecht werden.
Der zentrale Korpus besteht aus hochdichtem HDF, die Seiten aus massivem Walnussholz. Chario verwendet also nicht einfach eine dünne Folie oder ein Furnier, das aus zwei Metern Entfernung nach Holz aussehen soll. Die massiven Seitenwangen gehören konstruktiv und optisch zum Lautsprecher.
Das fühlt man.
Und man sieht es.
Die Maserung ist bei jedem Paar etwas anders. Kleine Unregelmäßigkeiten im Holz sind keine Fehler, sondern genau der Punkt. Chario verarbeitet italienisches Walnussholz, das laut einem ausführlichen Werks- und Produkthintergrund aus regenerativ bewirtschafteten Beständen stammt und über Jahre natürlich getrocknet wird. Auch die Chassis werden in Italien gefertigt.
Die Lynx hat damit etwas, das vielen Lautsprechern fehlt: Materialität.
Sie sieht nicht nach „Produktdesign in Holzoptik“ aus.
Sie sieht nach einem Gegenstand aus, den jemand tatsächlich gebaut hat.
Der dunkle zentrale Korpus, die massiven Walnusswangen und die vertikalen Fräsungen an den Seiten ergeben eine Form, die gleichzeitig klassisch und erstaunlich modern wirkt. Ein bisschen italienisches Mid-Century, ein bisschen HiFi der alten Schule, aber ohne das Gefühl, man hätte aus Nostalgie einen Lautsprecher von 1978 neu aufgelegt.
Das passt hervorragend in Wohnungen, in denen nicht alles weiß, grau und rechteckig sein muss.
Und es passt auch zum Klang. Die Lynx ist kein steriles Designobjekt und kein Monitor, der seine technische Korrektheit wie einen Ausweis vor sich herträgt. Sie hat Persönlichkeit. Wärme. Etwas Körperliches.
Aber eben auch Tempo.
Das ist wahrscheinlich die wichtigste Kombination. Viele Lautsprecher können warm. Andere können schnell. Die guten verbinden beides.
Bei der Lynx kann eine Nina-Simone-Aufnahme tief und körperlich wirken, anschließend läuft Depeche Mode und der Bass bleibt impulsiv und sauber, ohne plötzlich fett zu werden. Genau diese Vielseitigkeit fiel auch in Hörtests auf.
Sie verlangt keine audiophile Diät. Man muss nicht drei perfekt aufgenommene Jazzalben besitzen und so tun, als hätte man Rockmusik nie gemocht. Die Lynx kann alte Synthesizer. Sie kann Folk. Sie kann Soul. Sie kann Streicher. Sie kann elektronischen Minimalismus. Und natürlich liebt sie gut aufgenommene Stimmen.
Was sie nicht kann, ist Physik abschaffen.
Wer einen großen Raum besitzt, sehr laut hört oder echten Tiefbass ohne Subwoofer erwartet, sollte innerhalb der Constellation-Serie weiter nach oben schauen. Chario selbst ist hier erfreulich eindeutig und sieht die Lynx primär in Räumen zwischen sechs und vierzehn Quadratmetern.
Genau diese Spezialisierung macht sie so gut. Sie versucht nicht, alles zu sein. Sie ist ein hochwertiger kleiner Lautsprecher für hochwertige kleinere Räume.
Und darin ist sie verdammt überzeugend. Sehr italienisch eigentlich.
Dieses Produkt ist exklusiv nur nach einem Beratungsgespräch bei uns in unserer HiFi-Geschäft erhältlich. Ein Versand ist leider nicht möglich.

Chario
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