Chario Pegasus Mk II
Chario Pegasus Mk II
Die Pegasus MKII ist einer dieser Lautsprecher, bei denen man ziemlich schnell versteht, warum italienisches HiFi einen eigenen Reiz hat. Nicht, weil irgendwo noch eine Portion Dolce Vita zwischen Frequenzweiche und Bassreflexkanal versteckt wäre - Sondern weil hier Technik, Material und Gestaltung nicht wie drei getrennte Abteilungen wirken.
Die Pegasus ist schön. Und sie weiß es. Walnussholz, eine schlanke schwarze Front, leicht zurückgelehnte Proportionen und eine Form, die deutlich eleganter wirkt als der übliche rechteckige Standlautsprecher. Sie sieht weder nach Designobjekt aus, das zufällig auch Musik spielen kann, noch nach technischer Apparatur, die man dem Wohnzimmer irgendwie erklären muss. Sie steht einfach da und wirkt richtig.
Dann beginnt die Musik - Und plötzlich wird klar, dass das Holz nur die halbe Geschichte erzählt.
Die Pegasus MKII ist ein ausgewachsener Drei-Wege-Standlautsprecher mit Charios großem 38-Millimeter-Soft-Dome-Hochtöner, einem 170-Millimeter-Treiber auf der Front und einem zweiten 170-Millimeter-Tieftöner, der nach unten arbeitet. Chario nennt das Vented NRS, Near Resonance Surface. Der untere Tieftöner nutzt ganz bewusst die Nähe zum Boden, um den Raum in die Basswiedergabe einzubeziehen. Die Übergänge liegen bei ungewöhnlich tiefen 170 und 1.500 Hertz. Das Ergebnis ist technisch ziemlich eigenständig und klanglich noch interessanter.
Denn die Pegasus klingt nicht wie ein klassischer schlanker Standlautsprecher. Sie hat Körper - und Seele.
Nicht diesen etwas künstlichen Oberbassbuckel, mit dem manche Lautsprecher beim ersten Lied größer wirken wollen, als sie tatsächlich sind. Bei der Pegasus sitzt die Substanz tiefer. Bassdrums besitzen Masse. Ein E-Bass bekommt Volumen, bleibt dabei aber beweglich. Elektronische Flächen stehen auf einem Fundament, das man nicht nur hört, sondern irgendwann auch körperlich versteht.
Das ist einer ihrer großen Reize. Sie kann wunderschön spielen, aber sie kann auch Druck. Viel körperliche Präsenz im unteren Mittelton und Bass, ein besonders starker Mittelton und die Fähigkeit, sowohl feine Mikrodynamik als auch große dynamische Bewegungen zusammenzuhalten. Die Pegasus ist kein Lautsprecher, bei dem man irgendwann nur noch audiophile Aufnahmen hört, weil alles andere plötzlich keinen Spaß mehr macht. Sie liebt eine gute Stimme und eine sauber aufgenommene Jazzplatte. Aber sie hat genauso wenig Probleme damit, wenn Gitarren schmutzig werden, Synthesizer tief in den Keller gehen oder eine Produktion einmal etwas dichter und weniger vornehm ausfällt. Eigentlich ist sie dafür sogar verdammt gut. Shoegaze macht mit ihr Sinn. Trip-Hop macht Sinn. Soul sowieso. Eine große Streicherfläche funktioniert ebenso wie ein trocken produzierter elektronischer Track. Fleetwood Mac am Nachmittag, The Blue Nile am Abend und Massive Attack irgendwann deutlich später, als man ursprünglich geplant hatte.
Die Pegasus urteilt nicht über die Musiksammlung. Sie spielt sie.
Ein großer Teil dieser Vielseitigkeit steckt im Mittelton. Chario geht hier einen Weg, der zunächst ungewöhnlich aussieht. Der nach vorne abstrahlende 170-Millimeter-Treiber übernimmt einen großen Teil des musikalisch wichtigen Bereichs, während der untere Tieftöner ganz tief entlastet. Dadurch muss der Fronttreiber nicht gleichzeitig versuchen, Stimmen sauber zu formen und den Raum mit maximalem Tiefbass zu füllen. Das hört man vor allem bei Stimmen.
Sie haben Brust, Textur und eine überraschend physische Präsenz. Ein Sänger steht nicht wie eine sauber ausgeschnittene Kontur zwischen den Lautsprechern. Er bekommt einen Körper. Kleine Veränderungen in der Stimme, Atem, ein rauer Ansatz, das Nachschwingen eines Raums – all das bleibt erhalten, ohne dass die Pegasus daraus eine HiFi-Demonstration macht.
Das ist eine Kombination, die süchtig machen kann.
Denn ein Lautsprecher mit gutem Bass beeindruckt, aber Ein Lautsprecher mit gutem Mittelton bindet einen an die Musik und lässt einen nicht mehr los.
Man hört plötzlich länger zu. Nicht, weil mehr Details aus der Aufnahme gezogen werden, sondern weil Stimmen und Instrumente eine glaubwürdige Größe bekommen. Eine Snare hat einen Körper hinter dem Anschlag. Ein Saxophon besitzt Metall, Luft und diese leichte Rauheit, die es von einem besonders ambitionierten Synthesizer unterscheidet. Ein Klavier besteht nicht bloß aus sauber sortierten Tönen. Musik bekommt Material.
Darüber arbeitet Charios T38 Wave Guide, eine ungewöhnlich große 38-Millimeter-Soft-Dome-Kalotte. Die Größe ist kein Zufall. Während viele klassische Hochtöner deutlich kleiner ausfallen, kann Chario den T38 sehr tief ankoppeln. Bei der Pegasus übernimmt er bereits ab 1.500 Hertz. Chario kombiniert ihn mit einem Waveguide, der die Abstrahlung kontrolliert und speziell darauf ausgelegt wurde, auch mit normalen Wohnräumen zurechtzukommen. Der Hersteller spricht von einem kontrollierten Abstrahlwinkel von 60 Grad. Das ist bei Chario überhaupt ein interessantes Thema. Die Italiener entwickeln ihre Lautsprecher nicht unter der Annahme, dass jeder Kunde einen akustisch optimierten Hörraum mit Absorbern an den Wänden und exakt vermessenem Hörsessel besitzt. Chario beschäftigt sich sehr intensiv damit, wie Lautsprecher mit frühen Reflexionen, Boden und Raum umgehen. Das NRS-Prinzip im Bass und der T38-Waveguide im Hochton sind zwei Seiten derselben Idee: Der Raum ist ohnehin da. Also kann man ihn auch in die Entwicklung einbeziehen. Das gefällt uns.
Denn wir verkaufen Lautsprecher für Wohnungen - Und Wohnungen enthalten üblicherweise Sofas, Tische, Bilder, Bücher, Parkett, Pflanzen, vielleicht eine Katze und gelegentlich sogar andere Menschen. Der Lautsprecher muss damit klarkommen.
Natürlich profitiert auch die Pegasus von einer guten Aufstellung. Chario empfiehlt einen Hörabstand von mehr als drei Metern, eine leichte Einwinkelung auf die Hörposition und ausreichend Raum zu Seiten- und Rückwänden. Offiziell sollen diese mindestens einen Meter hinter der Front des Lautsprechers liegen. In der Praxis lohnt sich ein wenig Experimentieren.
Die Pegasus kann beim ersten Aufstellen schon sehr schön spielen, aber der Moment, in dem der untere Bereich wirklich in den Raum einrastet, ist hörbar. Ein paar Zentimeter vor oder zurück können entscheiden, ob der Bass einfach gut oder plötzlich völlig selbstverständlich wirkt. Und wenn es passt, passiert etwas Interessantes. Der Lautsprecher selbst verschwindet.
Das Klangbild löst sich von den beiden Gehäusen und wächst deutlich über sie hinaus. The Absolute Sound beschreibt eine sehr große Bühne mit viel Weite und Maßstab, ohne dass Stimmen oder Instrumente in diesem Raum ihre körperliche Substanz verlieren. Genau diese Verbindung ist entscheidend. Eine große Bühne allein ist noch keine Kunst. Die Pegasus schafft es, Größe und Körper gleichzeitig zu erhalten. Eine Stimme kann zentral und intim bleiben, während sich Streicher dahinter weit öffnen.
Ein Bass kann groß sein, ohne die Mitte zuzuschmieren. Gitarren können eine Wand bilden und trotzdem noch verschiedene Texturen besitzen. Wenn eine Aufnahme wächst, wächst die Pegasus einfach mit. Das macht sie auch bei höherer Lautstärke sehr souverän. Mit ihren offiziell 90 dB Empfindlichkeit gehört sie nicht zu den ausgesprochen leistungshungrigen Lautsprechern. Gleichzeitig liegt ihre Nennimpedanz bei 4 Ohm und fällt auf etwa 3 Ohm. Chario nennt bis zu 140 Watt an 4 Ohm als empfohlene maximale durchschnittliche Verstärkerleistung. Ein exotisches Kraftwerk braucht sie also nicht, aber einen Verstärker, der sauber Strom liefern kann, nimmt sie dankbar an.
Und sie zeigt gute Elektronik. Das ist wichtig.
Die Pegasus ist kein Lautsprecher, den man nach dem Kauf für immer um die vorhandene Anlage herum baut. Sie besitzt genügend Auflösung, Kontrolle und räumliche Präzision, um mit einem besseren Verstärker deutlich mitzuwachsen.
Mit einem soliden Vollverstärker bekommt man bereits viel von ihrem Charakter. Mit hochwertiger Elektronik wird der Bass straffer, die Bühne tiefer, Stimmen bekommen noch mehr Kontur und jene feinen dynamischen Unterschiede werden deutlicher, die aus einer technisch guten Wiedergabe irgendwann Musik machen.
Watt allein erzählen dabei wieder nur die halbe Geschichte. Wir würden die Pegasus lieber mit einem Verstärker kombinieren, der Timing, Kontrolle und Farbe beherrscht, als mit irgendeinem 300-Watt-Monster, das hauptsächlich deshalb existiert, damit im Datenblatt eine große Zahl steht.
Denn die Pegasus hat selbst genug Muskeln, was sie braucht, ist Führung.
Das NRS-System spielt dabei eine ziemlich clevere Rolle. Chario nutzt die Nähe des unteren Tieftöners zum Boden, um dessen akustische Effizienz zu erhöhen. Nach Angaben des Herstellers kann dadurch für denselben Schalldruck weniger Membranhub notwendig sein, was wiederum Verzerrungen reduziert. Statt also einfach einen größeren Treiber in ein größeres Gehäuse zu setzen, wird die Grenzfläche unter dem Lautsprecher Teil des Konzepts.
Das erklärt auch, warum der Bass der Pegasus anders wirkt als bei vielen klassischen Bassreflexlautsprechern.
Er kommt weniger aus einem bestimmten Punkt des Gehäuses.
Er steht im Raum.
Die offizielle untere Grenzfrequenz liegt bei 45 Hertz bei minus drei Dezibel. Auf dem Papier gibt es Standlautsprecher, die tiefere Zahlen nennen. Das interessiert beim Hören überraschend wenig. Die Pegasus besitzt im relevanten Musikbereich so viel Substanz und Druck, dass man selten das Gefühl hat, einem Lautsprecher beim Versuch zuzuhören, Bass zu erzeugen.
Wenn ein elektronischer Track richtig tief hinuntergeht, wird ein ausgewachsener Subwoofer natürlich noch mehr Fundament liefern. Physik bleibt Physik.
Aber für den überwiegenden Teil einer Musiksammlung spielt die Pegasus erstaunlich vollständig.
Und sie spielt mit Rhythmus.
Das ist vielleicht der Punkt, der uns an Chario besonders gefällt.
Man kann unendlich über Frequenzgänge, Phase und Chassis sprechen. Am Ende muss ein Lautsprecher aber verstehen, wann Musik nach vorne geht.
Bei der Pegasus hat eine Basslinie Zug. Eine Snare unterbricht nicht bloß den Frequenzgang, sondern setzt einen Impuls. Musik federt. Sie atmet. Kleine Tempowechsel und dynamische Akzente bleiben nachvollziehbar. Für uns ist das deutlich interessanter als ein Lautsprecher, der bei drei ausgewählten Demo-Tracks spektakulär klingt und nach einem Monat beginnt, die eigene Spotify-Historie umzuerziehen.
Die Pegasus darf Spaß machen.
Und dabei bleibt sie erstaunlich kultiviert.
Sie ist nicht aggressiv abgestimmt. Der Hochton besitzt Glanz und Offenheit, drängt sich aber nicht permanent nach vorne. Der Mittelton ist eher körperlich und farbig als analytisch trocken. Der Bass hat Gewicht.
Das ergibt einen Lautsprecher, mit dem man lange hören kann, ohne dass er langweilig wird.
Diese Balance ist schwieriger hinzubekommen, als es klingt.
Zu viel Wärme und alles verliert Spannung.
Zu viel Präzision und Musik wird zum Anatomiekurs.
Die Pegasus bewegt sich ziemlich elegant dazwischen.
Vielleicht passt genau deshalb ihre äußere Gestaltung so gut zum Klang.
Das Gehäuse verbindet HDF mit massivem Walnussholz. Chario produziert die Komponenten nach eigenen Spezifikationen in Italien, einschließlich Chassis und Frequenzweichenkomponenten; auch die Weichen werden laut Hersteller von Hand verlötet und kontrolliert.
Und das sieht man.
Die Pegasus wirkt nicht wie eine industriell gefertigte schwarze Säule, auf die am Ende zwei Holzteile geklebt wurden.
Das Walnuss besitzt Tiefe und Struktur. Die seitlichen Flächen fühlen sich nach Material an, nicht nach Dekor. Die leicht nach hinten geneigte Form gibt dem Lautsprecher etwas Dynamisches, obwohl er ausgeschaltet im Raum steht.
Man kauft einen Lautsprecher schließlich nicht nur für die Momente, in denen er spielt.
Er steht jeden Tag im Raum. Jahrelang. Vielleicht Jahrzehnte. Da darf er doch schön sein?
Und Chario besitzt dabei einen Stil, der weder die britische Studiomonitor-Tradition kopiert noch versucht, möglichst futuristisch auszusehen. Die Pegasus ist italienisch, ohne mit einem roten Sportwagen vor dem Werk fotografiert werden zu müssen. Eleganz reicht völlig.
Mit rund 26 Kilogramm pro Lautsprecher ist sie dabei solide genug gebaut, dass man beim Auspacken unmittelbar merkt, dass hier etwas Ernsthaftes im Karton steckt. Ihre Proportionen bleiben mit gut einem Meter Höhe und nur 23 Zentimetern Breite dennoch vergleichsweise schlank. Das ist für viele moderne Wohnräume ziemlich ideal. Man bekommt einen echten großen Standlautsprecher, ohne zwei Kühlschränke neben das Sideboard zu stellen. Gerade für Menschen Mitte dreißig, die sich ihre erste wirklich hochwertige Anlage aufbauen, finden wir diese Mischung ausgesprochen spannend. Die Pegasus verlangt nicht, dass sich das ganze Wohnzimmer dem Hobby unterordnet. Gleichzeitig ist sie weit genug von klassischem Lifestyle-HiFi entfernt, dass man mit ihr eine Anlage aufbauen kann, die musikalisch wirklich ernst zu nehmen ist.
Ein guter Streamer.
Ein schöner Vollverstärker.
Vielleicht ein Plattenspieler.
Zwei Pegasus.
Mehr muss eine Anlage zunächst nicht sein.
Und wenn später bessere Elektronik kommt, bleiben die Lautsprecher.
Das ist sowieso die vernünftigere Art, HiFi zu kaufen.
Nicht ständig alles austauschen, weil irgendeine App-Version oder ein neuer Codec erschienen ist. Lieber Komponenten wählen, bei denen man nach fünf Jahren noch immer gerne das Licht im Wohnzimmer einschaltet und sie dort stehen sieht.
Die Pegasus MKII hat gute Chancen, so ein Lautsprecher zu sein.
Sie verbindet eine ziemlich ungewöhnliche akustische Konstruktion mit einer sehr zugänglichen Art Musik zu machen. Sie ist technisch durchdacht, ohne technokratisch zu klingen. Sie ist warm, ohne weich zu werden. Sie besitzt Bass, ohne damit herumzuprotzen.
Und sie hat diese wunderbare italienische Eigenschaft, bei der ein Gegenstand offensichtlich sorgfältig gestaltet wurde, ohne so zu wirken, als hätte jemand fünf Wochen lang darüber diskutiert, wie sorgfältig gestaltet er aussehen soll.
Man stellt sie auf.
Man setzt sich hin.
Man hört.
Irgendwann schaut man noch einmal kurz auf das Walnussholz.
Dann läuft schon das nächste Album.

Chario
Chario Pegasus Mk II

Vereinbaren Sie jetzt einen Beratungstermin bei uns!
-
Einsteiger
Willkommen bei unserer Kollektion für Neugierige Einsteiger/innen! Sie sind neugierig darauf, wie...
-
Ambitioniert
Für ambitionierte Musikfans, die "etwas mehr" wünschen: In der Welt der Hi-Fi-Audioanlagen...
-
Audiophil & High End
Für unsere audiophilen Musikliebhaber/innen: Perfekter Sound steht für Sie an erster Stelle....
-
All-In-One
All-in-One Hi-Fi Musiksysteme sind eine immer beliebtere Lösung für Musikliebhaber/innen, die hochwertigen...
-
Design & Lifestyle
Für unsere Design- & Lifestyle-Liebhaber/innen: Wenn Sie auf der Suche nach einer...