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NAD C 589

NAD C 589

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Der NAD C 589 ist für Menschen gebaut, die ihre CDs nicht deshalb behalten haben, weil sie zu faul waren, sie auszusortieren. Sondern weil sich darin Musik befindet, die ihnen gehört. Alben, die man vor zwanzig Jahren gekauft hat. Ausgaben, die längst nicht mehr erhältlich sind. Booklets mit zerknitterten Ecken. Konzertmitschnitte, japanische Pressungen, Maxi-CDs, Sampler und jene Platten, deren Reihenfolge man noch kennt, obwohl man sie seit Jahren nicht mehr vollständig gehört hat.

Streaming hat den Zugang zu Musik verändert. Die CD hat deshalb aber nicht aufgehört, ein verdammt gutes Medium zu sein. Der NAD C 589 behandelt sie auch genau so.

Er ist kein nostalgischer Rückblick und kein halbherziges Zugeständnis an Menschen mit einem Regal voller Silberlinge. NAD hat ihn 2026 als neuen, hochwertigen CD-Player der Classic Series vorgestellt und technisch deutlich ambitionierter aufgebaut, als es seine klare, beinahe nüchterne Erscheinung vermuten lässt. Im Inneren arbeiten ein vollständig symmetrisch implementierter ESS-Wandler, NADs Dynamic Digital Headroom und die von MQA Labs entwickelte QRONO-d2a-Technologie. Dazu kommen ein präzises Laufwerk, analoge Ausgänge über Cinch und XLR sowie digitale Ausgänge über Koaxial, Toslink und AES/EBU. Das klingt nach einer ganzen Menge Technik für ein Gerät, das im Grunde nur eine CD abspielen soll.

Aber genau darin liegt der Punkt.

Eine CD enthält ihre Musik als digitale Daten. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder CD-Player gleich klingt. Bevor am Ende ein analoges Signal den Verstärker erreicht, muss die Disc mechanisch ausgelesen, das Signal zeitlich korrekt verarbeitet, digital gefiltert und anschließend sauber in Spannung umgewandelt werden. Jeder dieser Schritte kann Musik lebendiger, klarer und räumlich stabiler erhalten – oder ihr etwas von ihrer Energie nehmen.

Der C 589 wurde gebaut, damit möglichst wenig verlorengeht.

Das beginnt beim Laufwerk. NAD verwendet einen präzisen Disc-Transport mit hochwertigem Loader und sorgfältig arbeitender Laserabtastung. Die Mechanik soll CDs ruhig, schnell und zuverlässig lesen, ausdrücklich auch ältere oder häufig abgespielte Exemplare. Das ist weniger selbstverständlich, als es klingt. Eine gute Lade öffnet nicht mit dem Charme eines alten Computerlaufwerks, und ein gutes Transportwerk bleibt auch dann stabil, wenn die Scheibe nicht gerade frisch aus einer audiophilen Sammlerbox kommt. Im Alltag merkt man diese Qualität an den unspektakulären Dingen. Die Lade reagiert sauber. Titel werden zügig eingelesen. Die Wiedergabe läuft ruhig. Man legt eine Disc ein und beschäftigt sich anschließend nicht mehr mit dem Gerät.

Genau so sollte es sein.

Denn der C 589 ist kein CD-Player, der permanent auf seine Technik aufmerksam machen möchte. Er will, dass man ein Album auswählt, die Fernbedienung irgendwann zur Seite legt und nach vierzig Minuten feststellt, dass man noch immer zuhört. Klanglich setzt NAD nicht auf künstliche Wärme, und der C 589 versucht auch nicht, digitale Aufnahmen mit einer dicken Schicht vermeintlicher Analogromantik zu überziehen. Seine Richtung ist klarer, schneller und strukturierter. Er soll Aufnahmen öffnen, ohne sie auszuleuchten wie einen Operationssaal.

Ein wesentlicher Teil davon ist NADs Dynamic Digital Headroom, kurz DDH. Digitale Signale können kurzfristige Spitzen enthalten, die über dem nominell maximalen Pegel liegen. Konventionelle Filter- und Wandlerschaltungen können an solchen sogenannten Intersample-Peaks übersteuern, obwohl die Datei auf den ersten Blick gar nicht übersteuert aussieht. Das Ergebnis kann sich in härteren Transienten, Unruhe und einer flacheren räumlichen Darstellung bemerkbar machen. Dynamic Digital Headroom schafft zusätzlichen Spielraum für solche Spitzen. Der C 589 soll dadurch dynamische Ereignisse sauberer verarbeiten, ohne dass der digitale Filter selbst zum Flaschenhals wird. NAD verbindet damit klarere Transienten, weniger Verzerrung und eine größere, stabilere Bühne. In Musik übersetzt heißt das: Eine Snare bekommt ihren Schlag zurück, ohne scharf zu werden. Ein Klavieranschlag startet klarer und klingt anschließend freier aus. Große Produktionen wirken weniger zusammengedrückt. Der Bass besitzt mehr Kontur, weil die Energie eines Impulses nicht in digitaler Härte stecken bleibt. Das ist kein Effekt, der aus jeder CD plötzlich eine audiophile Neuaufnahme macht. Glücklicherweise. Eine überkomprimierte Produktion bleibt überkomprimiert. Ein schlechter Mix wird nicht plötzlich elegant.

Aber der C 589 gibt guten Aufnahmen mehr Platz, sich zu entfalten. Und er verhindert, dass schwierigere Produktionen unnötig noch härter werden.

Mindestens ebenso interessant ist QRONO d2a. Die von MQA Labs entwickelte Technologie ersetzt konventionelle Digitalfilter durch eine Verarbeitung, die besonderes Augenmerk auf zeitliche Genauigkeit legt. NAD beschreibt das Ziel als bessere Erhaltung von Timing, räumlichen Informationen und Transienten während der Digital-Analog-Wandlung. Timing klingt in diesem Zusammenhang zunächst etwas abstrakt. Schließlich spielt ein CD-Player ein Lied nicht plötzlich schneller oder langsamer. Es geht um deutlich kleinere Zeiträume. Darum, wie präzise ein Impuls beginnt. Wie verschiedene Frequenzanteile eines Tons zeitlich zusammenbleiben. Wie klar sich direkte Schallanteile und Raumreflexionen voneinander unterscheiden lassen. Wenn diese Beziehungen sauberer erhalten bleiben, wirkt eine Aufnahme nicht einfach nur detaillierter. Sie wirkt geordneter.

Eine Stimme steht stabiler. Ein Raum bekommt Tiefe. Schlagzeug, Bass und Gitarre spielen nicht bloß gleichzeitig, sondern wirklich miteinander. Der C 589 besitzt dadurch eine Art von Präzision, die nicht trocken oder demonstrativ wirkt. Er zeigt Struktur, ohne die Musik in Einzelteile zu zerlegen. Details werden hörbar, bleiben aber Teil des Ganzen. Das ist uns deutlich lieber als ein CD-Player, der beim ersten Hören mit besonders glänzenden Höhen beeindruckt und nach einer Stunde beginnt, die eigene Musiksammlung in gute und schlechte Aufnahmen zu sortieren. Im Zentrum der analogen Ausgangsstufe arbeitet ein vollständig symmetrisch implementierter DAC von ESS. NAD nennt keine Symmetrie nur auf der Anschlussplatte, sondern führt die Wandlung so aus, dass niedrige Störwerte, hohe Dynamik und eine saubere Kanaltrennung erreicht werden. Offiziell gibt NAD einen Signal-Rausch-Abstand von mindestens 115 dB, eine Kanaltrennung von mindestens 110 dB und einen Klirrfaktor von höchstens 0,005 Prozent an.

Diese Zahlen muss niemand auswendig lernen. Interessant ist, was sie ermöglichen: mehr Ruhe hinter der Musik, eine stabilere Mitte und weniger gegenseitige Beeinflussung zwischen linkem und rechtem Kanal. Gerade bei gut aufgenommenen Stimmen, kleinen Jazzbesetzungen oder akustischer Musik entsteht dadurch eine Bühne, die nicht einfach breit gezogen wird, sondern tatsächlich Konturen bekommt.

Eine Stimme befindet sich dann nicht irgendwo ungefähr in der Mitte. Sie hat einen Platz. Ein Klavier besitzt Breite und Tiefe. Ein Schlagzeug steht hinter dem Sänger und nicht flach auf derselben Linie.

Das ist jene Form von räumlicher Darstellung, die nicht nach HiFi-Trick klingt. Sie macht eine Aufnahme glaubwürdiger, und nach wenigen Minuten denkt man nicht mehr darüber nach.

Über die symmetrischen XLR-Ausgänge liefert der C 589 4,4 Volt, über Cinch 2,2 Volt. Damit lässt er sich sowohl klassisch mit nahezu jedem Vollverstärker als auch symmetrisch mit hochwertigeren Vor- und Vollverstärkern verbinden. Gerade in einer passenden NAD-Kette oder an Elektronik mit echten symmetrischen Eingängen ist XLR eine sehr reizvolle Option, weil der Player seinen vollständig symmetrischen Aufbau konsequent bis zum nächsten Gerät weiterführen kann.

Doch der C 589 ist nicht darauf beschränkt, seinen eigenen DAC zu verwenden.

Über koaxiale und optische Digitalausgänge sowie einen symmetrischen AES/EBU-Ausgang kann er auch als reines CD-Laufwerk betrieben werden. Damit wird er für Anlagen interessant, in denen bereits ein hochwertiger externer Wandler, ein Streaming-DAC oder eine digitale Vorstufe vorhanden ist. Besonders AES/EBU ist in dieser Klasse keineswegs selbstverständlich und macht deutlich, dass NAD den C 589 nicht nur als komfortablen CD-Spieler, sondern als ernstzunehmenden digitalen Transport versteht.

Man kann also heute direkt über Cinch oder XLR hören und später einen externen DAC ergänzen. Oder man nutzt von Beginn an den vorhandenen Wandler und lässt den NAD ausschließlich die mechanische und digitale Auslesearbeit übernehmen.

Das ist eine schöne Form von Zukunftssicherheit. Nicht jene Art, bei der ein Produkt mit zehn halb fertigen Softwareversprechen beworben wird, sondern eine sehr klassische: gute Anschlüsse, klare Aufgaben, saubere Integration.

Überhaupt ist der C 589 angenehm fokussiert. Er streamt nicht. Er braucht kein WLAN. Es gibt keine App, die irgendwann ein Passwort vergessen hat. Kein Konto. Kein Update kurz vor dem geplanten Hörabend. Man schaltet ihn ein, legt eine CD ein und drückt Play. Das ist nicht rückständig. Es ist Luxus durch Konzentration. Wir leben ohnehin in einer Welt, in der beinahe jedes Gerät unsere Aufmerksamkeit möchte. Ein CD-Player will nichts von uns. Er zeigt Titelnummer und Laufzeit, unterstützt CD Text, wenn die eingelegte Disc entsprechende Informationen enthält, und lässt sich über die mitgelieferte Fernbedienung steuern. Mehr braucht er nicht. Gerade für ein Publikum, das mit MP3-Playern, iTunes, Spotify und inzwischen endlosen Streamingkatalogen aufgewachsen ist, hat diese Begrenzung wieder einen eigenen Reiz.

Eine CD zwingt niemanden, analogromantisch zu werden. Sie knistert nicht. Sie muss nicht gewendet werden. Sie will nicht gereinigt, justiert oder mit einer Bürste vor Staub bewahrt werden.

Aber sie hat einen Anfang und ein Ende. Man entscheidet sich für ein Album, statt sich von einem Empfehlungsalgorithmus durch zweihundert Millionen verfügbare Titel treiben zu lassen. Man liest vielleicht wieder das Booklet. Man hört Track sieben, obwohl Track sieben nie in einer Playlist gelandet wäre. Und manchmal erinnert man sich daran, dass Alben nicht zufällig in einer bestimmten Reihenfolge veröffentlicht wurden.

Der C 589 ist deshalb kein Gegenentwurf zum Streaming. Bei Longtone wären wir die Letzten, die so tun würden, als müsste man sich zwischen physischen Medien und modernen Plattformen entscheiden. Streaming ist großartig. Eine gut aufgebaute BluOS- oder Roon-Anlage kann musikalisch und praktisch fantastisch sein.

Aber Streaming und CD erzeugen unterschiedliche Arten des Hörens.

Der C 589 gibt der CD wieder einen festen, hochwertigen Platz in einer modernen Anlage. Nicht als sentimentales Relikt, sondern als Quelle, die klanglich nach wie vor absolut ernst zu nehmen ist.

Auch optisch passt er genau in diese Haltung. NADs Classic Series war nie für übertriebene Schmuckelemente bekannt. Der C 589 trägt eine klare schwarze Front, ein gut lesbares Display und eine Gestaltung, die sich nicht alle zwei Jahre neu erfinden muss. Er sieht aus wie ein NAD. Wer die Marke kennt, weiß, dass das als Kompliment gemeint ist.

Kein glänzendes Chrom. Keine unnötige Lichtshow. Kein Display, das Albumcover darstellen möchte, obwohl das Booklet direkt danebenliegt.

Der C 589 steht ruhig im Rack und überlässt den Auftritt der Musik.

Dabei wirkt er keineswegs billig oder beliebig. Die niedrige, breite Form, das solide Gehäuse und die klare Bedienung geben ihm genau jene sachliche Präsenz, die gut zur Classic Series passt. Er lässt sich ebenso stimmig mit einem C 389 oder C 399 kombinieren wie mit einer Masters-Komponente oder einem Verstärker einer anderen Marke.

Für wen ist er gedacht?

Für Menschen mit einer CD-Sammlung, die nicht länger über ein altes DVD-Laufwerk oder irgendeinen zufällig noch vorhandenen Player abgespielt werden soll. Für Hörer/innen, die ihre Anlage um eine hochwertige physische Digitalquelle ergänzen möchten. Für Menschen, die neue CDs kaufen, weil nicht jede Veröffentlichung in der gewünschten Fassung auf jedem Streamingdienst verfügbar bleibt.

Und für jene, die festgestellt haben, dass Streaming zwar fast alles bereithält, aber Besitz etwas anderes ist als Zugriff.

Der C 589 ist allerdings kein Gerät, das aus jeder Anlage automatisch ein Meisterwerk macht. Er verdient einen Verstärker und Lautsprecher, die seine Ruhe, seine Kanaltrennung und seine zeitliche Präzision zeigen können. An einer entsprechend guten Kette wird schnell deutlich, dass NAD hier keinen bloßen Nachfolger für einen günstigen Einstiegsspieler entwickelt hat, sondern eine ambitionierte Quelle mit vollsymmetrischem Analogteil, moderner Filtertechnologie und einer ungewöhnlich umfassenden Auswahl digitaler Ausgänge.

Das Resultat ist ein CD-Player, der nicht versucht, Analog nachzuahmen.

Er macht etwas Eigenes.

Er verbindet die Ruhe und Verlässlichkeit der Compact Disc mit einer Wiedergabe, die offen, dynamisch und räumlich greifbar bleibt. Er klingt sauber, aber nicht antiseptisch. Präzise, aber nicht dünn. Kontrolliert, aber nicht leblos.

Vor allem hat er Rhythmus.

Denn am Ende ist Timing nicht bloß ein technisches Thema. Es entscheidet darüber, ob ein Song korrekt wiedergegeben wird oder ob er zieht. Ob ein Schlagzeug ordentlich klingt oder ob man den Impuls körperlich versteht. Ob eine Basslinie einfach vorhanden ist oder die Musik tatsächlich antreibt.

Der C 589 hat genau für diese Ebene erstaunlich viel Technik unter seiner schwarzen Haube.

Und er besitzt die gute Erziehung, sie nicht ständig vorzuführen. Der NAD C 589 ist kein CD-Player für Nostalgiker/innen. Er ist ein CD-Player für Menschen, die begriffen haben, dass eine gute Sammlung kein überholtes Format, sondern ein persönliches Musikarchiv ist. Mit Dynamic Digital Headroom, QRONO d2a, vollständig symmetrischer ESS-Wandlung, einem sorgfältig aufgebauten Laufwerk und Ausgängen von Cinch bis AES/EBU ist er technisch einer der ambitioniertesten CD-Player, die NAD bislang in der Classic Series gebaut hat. Wichtiger ist aber, was davon übrig bleibt, wenn man nicht mehr über Technik spricht.

Ruhe. Raum. Dynamik. Ein sauberer musikalischer Fluss. Und die Lust, eine CD nicht nur anzuspielen, sondern das ganze Album zu hören.

Der C 589 macht aus der Compact Disc kein Revival.

Er erinnert nur sehr überzeugend daran, dass sie nie wirklich weg war.

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