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Revival Audio Sprint 3

Revival Audio Sprint 3

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Die SPRINT 3 ist der kompakte Standlautsprecher der jungen französischen Marke Revival Audio und trägt erstaunlich viel von jener DNA in sich, die uns bereits an der größeren ATALANTE-Serie fasziniert hat. Keine demonstrative HiFi-Schärfe, kein künstlich aufgepumpter Bass und kein nervöses Herzeigen jedes Details. Stattdessen spielt sie offen, farbig, schnell und mit einer großen Selbstverständlichkeit. Sie hat Rhythmus, sie hat Körper und sie besitzt diese seltene Fähigkeit, aus einer guten Aufnahme etwas Räumliches entstehen zu lassen, ohne dass man gleich das Wohnzimmer nach geometrischen Formeln einrichten muss.

Das Interessante an der SPRINT 3 ist, dass sie sich einer klaren Einordnung ein wenig entzieht. Mit ihrem 18 Zentimeter großen Basalt-Tiefmitteltöner ist sie deutlich erwachsener bestückt als viele klassische Kompaktlautsprecher, gleichzeitig bleibt ihr Gehäuse wohnraumfreundlich. Revival Audio empfiehlt sie für Räume von etwa 15 bis 35 Quadratmetern und gibt eine untere Grenzfrequenz von 55 Hz bei –3 dB an. Das erzählt aber nur einen Teil der Geschichte. Denn im Hörraum geht es weniger darum, wie tief eine einzelne Frequenz reicht, sondern darum, wie vollständig Musik wirkt. Und genau da ist die SPRINT 3 stark. Bassgitarren haben Griff, ein Kickdrum-Schlag hat Körper, ein Kontrabass hat Holz und Saitenspannung. Sie versucht nicht, einen 30-Hz-Sinuston aus einem Gehäuse zu pressen, das dafür physikalisch nicht gemacht ist. Sie macht etwas Besseres: Sie spielt Bass mit Timing.

Das passt überhaupt gut zum Charakter dieses Lautsprechers. Die SPRINT 3 spielt mit Zug. Mit Bewegung. Eine Aufnahme von Massive Attack bekommt ihren dunklen Puls, ein gutes Schlagzeug setzt sich mit der richtigen Energie in Bewegung, und eine Stimme steht nicht als flache Information zwischen den Lautsprechern. Gerade diese Mischung aus Wärme, Offenheit und rhythmischem Drive wurde auch in unabhängigen Hörberichten immer wieder hervorgehoben. Die SPRINT 3 kann groß spielen, ohne ihren Maßstab zu verleugnen, und ihre Bühne reicht bei guter Aufstellung deutlich über die Gehäuse hinaus.

Dahinter steckt einiges an eigener Entwicklungsarbeit. Revival Audio kauft nicht einfach einen Hochtöner aus dem Katalog, schraubt einen Tiefmitteltöner darunter und lässt die Marketingabteilung anschließend von französischem Savoir-vivre erzählen. Im Hochton arbeitet ein eigener 28-Millimeter-Soft-Dome-Tweeter mit der patentierten ARID-Technologie, ausgeschrieben „Anti Reflection Inner Dome“. Hinter der Kalotte sitzt eine große rückwärtige Kammer, die Resonanzen kontrollieren soll; Revival Audio gibt eine niedrige Resonanzfrequenz von 650 Hz an. Das Ziel ist ein Hochton, der offen und detailliert spielt, ohne diese metallische Schärfe zu entwickeln, die bei kurzfristigen Vorführungen manchmal beeindruckt und bei längeren Abenden irgendwann nur noch anstrengend wird.

Genau das hört man. Der Hochton der SPRINT 3 hat Luft, aber keinen Drang zur Selbstdarstellung. Stimmen behalten ihre natürliche Textur. Becken klingen nach Metall und nicht nach weißem Rauschen. Schlechte Aufnahmen werden nicht plötzlich gut, aber die SPRINT 3 macht auch keinen Sport daraus, ihre Besitzer/innen für jede mittelmäßig produzierte Lieblingsplatte zu bestrafen. Das ist eine Eigenschaft, die wir sehr schätzen. Eine gute Anlage soll uns tiefer in Musik hineinbringen. Sie soll nicht ausschließlich dazu dienen, fünf hervorragend aufgenommene Jazzplatten im Kreis zu hören.

Der 18 Zentimeter große Tiefmitteltöner ist mindestens ebenso spannend. Revival Audio verwendet dafür die eigene BSC-Technologie, die Basalt Sandwich Construction. Die Membran besteht aus einer mehrschichtigen Konstruktion mit Basalt, einem speziell definierten Filzmaterial auf der Rückseite und einer Polymerverbindung zwischen den Schichten. Das Ziel ist eine Membran, die leicht und steif ist, gleichzeitig aber unerwünschtes Nachschwingen kontrolliert. Revival Audio beschreibt daraus eine schnelle, saubere Wiedergabe mit straffer Bassdynamik. Und genau dieser Ansatz ist viel interessanter als die übliche Materialschlacht, bei der jedes Jahr eine neue Wunderfaser durchs Dorf getragen wird. Basalt klingt übrigens spektakulärer, als es in Wahrheit ist. Das Material stammt aus vulkanischem Gestein und wird von Revival Audio wegen seiner mechanischen Eigenschaften eingesetzt. Aber keine Sorge: Man hört keine Lava. Man hört einen Lautsprecher, der sehr schnell auf musikalische Impulse reagiert und trotzdem Substanz hat. Und das ist am Ende deutlich wichtiger.

Einen großen Anteil am Charakter der SPRINT 3 hat auch die ELYTRON-Front. Sie ist mehr als ein Designelement. Die asymmetrisch geformte Frontpartie wurde entwickelt, um die Abstrahlung des Hochtöners zu kontrollieren und störende Beugungseffekte an den Gehäusekanten zu reduzieren. Vereinfacht gesagt: Der Schall soll sich möglichst sauber vom Lautsprecher lösen, anstatt sich unnötig an der Geometrie des Gehäuses abzuarbeiten. Das hilft dabei, jene breite, stabile Bühne aufzubauen, die beim Hören sofort auffällt.

Die SPRINT 3 sieht nicht aus wie der nächste rechteckige Kasten, dem man zur Sicherheit noch eine besonders große Markenplakette aufgeklebt hat. Die ELYTRON-Front gibt ihr einen modernen, beinahe architektonischen Charakter. Die Gestaltung entstand in Zusammenarbeit mit dem Pariser Designstudio A+A Cooren und verbindet französische Eleganz mit einer recht klaren, minimalistischen Formensprache. Zur Auswahl stehen Blonde Oak, Walnut und Matt Black. Je nach Finish wirkt sie entweder skandinavisch leicht, klassisch warm oder sehr reduziert.

Wir mögen besonders, dass Revival Audio dabei nicht versucht, aus einem Lautsprecher ein Modeaccessoire zu machen. Die SPRINT 3 ist schön, aber sie bleibt ein Lautsprecher. Sie will gehört werden.

Und hören kann man mit ihr ziemlich viel.

Ihre große Stärke liegt für uns in der Balance. Sie kann Stimmen. Sie kann elektronische Musik. Sie kann Gitarren. Sie kann ein großes Orchester aufspannen und danach ohne Identitätskrise eine alte Synthpop-Produktion spielen. In Hörtests wurde ihre Mischung aus Offenheit, Transparenz, sauberem Bass und sehr präziser Raumabbildung besonders hervorgehoben. Ebenso auffällig ist ihre Fähigkeit, komplexere Passagen sauber auseinanderzuhalten und trotzdem den musikalischen Fluss zu bewahren.

Das klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht.

Viele Lautsprecher können entweder beeindrucken oder berühren. Manche werfen eine beeindruckende Menge Bass in den Raum, andere zeigen jedes Detail wie unter einer OP-Lampe. Die SPRINT 3 findet einen intelligenteren Mittelweg. Sie hat Farbe, ohne dick aufzutragen. Sie hat Präzision, ohne trocken zu werden. Sie kann Druck, ohne permanent mit den Ellbogen zu arbeiten.

Vor allem aber hat sie etwas, das sich im Datenblatt nicht besonders gut verkaufen lässt: Sie hat Lust auf Musik.

Das merkt man bei einem treibenden Basslauf genauso wie bei einer leisen Stimme. Rhythmus bleibt nicht korrekt, sondern bekommt Spannung. Eine gute Aufnahme baut sich nicht bloß von links nach rechts auf, sondern bekommt Tiefe. Die SPRINT 3 arbeitet nicht daran, dass man permanent über den Lautsprecher nachdenkt. Im Gegenteil. Nach einer Weile verschwindet sie aus der Wahrnehmung und lässt das Album übernehmen.

Technisch ist sie dabei erfreulich unkompliziert. Die SPRINT 3 arbeitet als klassischer Zwei-Wege-Lautsprecher mit einer Übergangsfrequenz von 1,8 kHz, 87 dB Wirkungsgrad, 6 Ohm Nennimpedanz und einem Impedanzminimum von 4,5 Ohm bei 175 Hz. Revival Audio empfiehlt Verstärker ab 30 Watt und gibt eine Belastbarkeit bis 150 Watt an. Das macht sie grundsätzlich zu einem gut kombinierbaren Lautsprecher, der keinen Kraftwerksverstärker verlangt, mit hochwertigerer Elektronik aber sehr deutlich wachsen kann.

Und genau das gefällt uns an ihr besonders. Die SPRINT 3 lässt sich vernünftig aufbauen. Man kann sie mit einem guten, kompakten Streaming-Verstärker kombinieren und eine moderne, elegante Anlage schaffen. Man kann ihr aber ebenso einen richtig guten klassischen Vollverstärker vorsetzen und erleben, wie stark sie auf bessere Kontrolle, feinere Quellen und eine sorgfältigere Aufstellung reagiert. Sie ist zugänglich, aber keineswegs anspruchslos.

Bei der Aufstellung würden wir sie nicht einfach irgendwo in ein Bücherregal quetschen. Dafür ist sie zu schade – und mit 9,1 Kilogramm pro Stück ohnehin eher ein echter Standlautsprecher als eine kleine Regalbox. Auf soliden Ständern, mit etwas Abstand zur Rückwand und ein wenig Zeit für die Positionierung entwickelt sie die Raumabbildung, für die sie so viel Lob bekommen hat. Weil sie über eine rückwärtige Bassreflexöffnung verfügt, legt Revival Audio außerdem Schaumstoffstopfen bei, mit denen sich die Bassabstimmung bei wandnaher Aufstellung oder in akustisch schwierigen Räumen beeinflussen lässt.

Man muss daraus allerdings kein Wochenendseminar machen. Die SPRINT 3 ist kein Lautsprecher, der nur auf zwei exakt markierten Punkten im Raum funktioniert. Gute Aufstellung wird belohnt, aber sie ist kein neurotisches Messinstrument.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum uns Revival Audio als Marke so interessiert. Die Franzosen versuchen nicht, die Vergangenheit zu kopieren, und sie bauen auch keine Lautsprecher, die nur auf einem Rendering einer Luxuswohnung funktionieren. Die Technik ist modern, die Gestaltung eigenständig, und die klangliche Richtung hat etwas sehr Klassisches: Musik soll Substanz haben. Stimmen sollen nach Menschen klingen. Rhythmus soll einen mitnehmen. Und ein Lautsprecher soll auch nach drei Stunden noch Lust auf die nächste Platte machen.

Die SPRINT 3 ist innerhalb dieser Philosophie vielleicht der zugänglichste Einstieg. Sie bringt viele Technologien und Ideen der größeren Revival-Audio-Modelle in eine deutlich kompaktere Form, ohne wie deren kleine, abgespeckte Schwester zu wirken. Sie hat ihren eigenen Charakter. Etwas schneller, etwas direkter, vielleicht auch ein wenig urbaner als die große ATALANTE-Familie. Ein Lautsprecher für ein Wohnzimmer, in dem tatsächlich gelebt wird. Für Vinyl am Sonntagvormittag, Qobuz am Abend und Massive Attack um halb eins, obwohl man am nächsten Tag eigentlich früh rausmuss.

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