Luxman D-100 Centennial
Luxman D-100 Centennial
Der Luxman D-100 CENTENNIAL ist ein CD-Spieler, bei dem man unwillkürlich etwas näher an das Rack tritt. Die mächtige Aluminiumfront, ihre großzügig angeschrägten Kanten und das verchromte Centennial-Emblem besitzen jene selbstverständliche Präsenz, die man an japanischem High End so mögen kann. Man möchte die Oberfläche berühren, die Schublade öffnen und eine der Aufnahmen einlegen, für die man sich schon lange wieder einmal einen ganzen Abend freihalten wollte. Luxman hat diesem Gedanken ein ziemlich beeindruckendes Stück Technik gewidmet. Mit 25,4 Kilogramm bringt der D-100 CENTENNIAL eine Masse mit, die auch einem ausgewachsenen Vollverstärker gut stehen würde. Unter seinem Gehäusedeckel treffen ein aufwendig gekapseltes CD-/SACD-Laufwerk, zwei aktuelle Spitzenwandler von ROHM und eine vollständig symmetrische, diskret aufgebaute Analogstufe zusammen, in der erstmals bei einem Luxman-Disc-Player die LIFES-Technologie arbeitet. Dazu kommt eine Stromversorgung mit 40.000 Mikrofarad Siebkapazität. Wer sich gerne damit beschäftigt, wie ein Gerät konstruiert ist, dürfte hier etwas länger hängen bleiben. Der Name CENTENNIAL verweist auf Luxmans hundertjähriges Bestehen, das die Marke 2025 feierte. Für diesen Meilenstein hat das Unternehmen seine digitale Spitzenquelle grundlegend weiterentwickelt und Erfahrungen aus dem Verstärkerbau bis in die Ausgangsstufe eines Disc-Players übertragen. Der D-100 ist damit ein ausgesprochen reizvolles Jubiläumsmodell für Menschen, die sich an guter Elektronik ebenso erfreuen können wie an einem besonderen Album. Man darf beides mögen, gerade wenn ein Gerät einen über viele Jahre begleiten soll.
Sein Laufwerk trägt den Namen LxDTM-i, ausgeschrieben „Luxman original Disc Transport Mechanism – improved“, und schon dessen Einbau zeigt, wie ernst Luxman die mechanische Seite der Digitalwiedergabe nimmt. Die empfindliche rotierende Einheit sitzt in einer steifen Box aus acht Millimeter starken Aluminium-Seitenrahmen, einer fünf Millimeter starken Stahlabdeckung und einer zusätzlichen acht Millimeter starken Aluminium-Bodenplatte. Diese Bodenplatte ist eine der Weiterentwicklungen gegenüber der bisherigen Spitzenkonstruktion. Das gesamte Laufwerk wird direkt mit dem Hauptchassis verbunden, sodass eine besonders verwindungssteife Einheit entsteht. Dabei sitzt die Mechanik bewusst auf der linken Gehäuseseite. Diese Anordnung schafft Platz für die großzügige analoge Ausgangsschaltung und ermöglicht eine gezielte Führung der internen Verbindungen. Luxman betrachtet also bereits beim mechanischen Layout, wie das Signal später durch das Gerät laufen wird. Gerade diese Verbindung aus räumlicher Anordnung, Materialeinsatz und elektrischer Konstruktion macht den Blick ins Innere so interessant.
Zur Laufwerkseinheit gehört außerdem ein Staubschutz-Shutter, der den Bereich der Disc-Schublade abschirmt. Das dient dem Schutz der Mechanik und gehört zugleich zu jener Sorgfalt im Bewegungsablauf, die man bei einem solchen Gerät erwartet. Eine CD einzulegen ist schließlich einer der wenigen Momente, in denen man die Arbeit eines Digitalplayers tatsächlich mit den Händen begleitet. Beim D-100 bekommt auch dieser kleine Vorgang seinen angemessenen Stellenwert.
Das Laufwerk liest klassische Audio-CDs und die Stereo-Spur einer SACD. Gerade für eine Sammlung mit aufwendig produzierten Jazz- und Klassikaufnahmen ist das eine schöne Perspektive, ebenso für jene Rockalben, von denen über die Jahre ganz bewusst eine bestimmte Ausgabe gekauft wurde. Bei Hybrid-SACDs lässt sich zwischen CD- und SACD-Schicht wählen. So findet eine gewachsene Sammlung ihren Platz, einschließlich der Veröffentlichungen, die man irgendwann gezielt wegen ihrer Aufnahme oder ihres Masterings gesucht hat. Die eigentliche Wandlung übernehmen zwei ROHM BD34302EKV aus der MUS-IC-Familie. Luxman betreibt sie in einer Dual-Mono-Konfiguration, sodass für den linken und rechten Kanal jeweils ein eigener DAC-Chip arbeitet. Der BD34302EKV gehört zur zweiten Generation von ROHMs anspruchsvoller Wandlerplattform und bringt technische Änderungen mit, für die sich ein genauerer Blick auf die Arbeitsweise eines DACs lohnt. Ein gutes Beispiel ist das weiterentwickelte Data Weighted Averaging, kurz DWA. Innerhalb eines solchen Wandlers müssen viele kleine Schaltelemente zusammenarbeiten, deren reale Eigenschaften durch Fertigungstoleranzen geringfügig voneinander abweichen können. DWA verteilt ihre Nutzung so, dass diese Unterschiede besser ausgeglichen werden und weniger systematische Verzerrungen entstehen. Hier findet die Detailarbeit also bereits innerhalb des Halbleiters statt, an einer Stelle, die auf einem Foto des geöffneten Players kaum spektakulärer aussehen würde als jeder andere kleine schwarze Chip.
An dieser Stelle wird der D-100 CENTENNIAL besonders spannend. Seine analoge Ausgangsstufe verwendet LIFES 1.1, die aktuelle Weiterentwicklung von Luxmans eigener Verstärkerarchitektur. LIFES steht für „Luxman Integrated Feedback Engine System“ und führt den technischen Ansatz der langjährig entwickelten ODNF-Schaltungen weiter. Dass Luxman diese Technologie erstmals in einem Disc-Player einsetzt, zeigt, welchen Stellenwert die analoge Hälfte seiner neuen Spitzenquelle besitzt. Das Grundprinzip lässt sich auch ohne Schaltplan nachvollziehen: Die Schaltung erfasst Abweichungen, die während der Verstärkung entstehen, und nutzt diese für eine gezielte Gegenkopplung zur Fehlerkorrektur. In der Version 1.1 hat Luxman die Eingangsstufe des Differenzverstärkers zur Fehlererkennung parallel aufgebaut, um die Verzerrungen weiter zu reduzieren. Besonders interessant ist daran, wo die Entwicklung ansetzt: Auch die Schaltung, die einen Fehler erkennen soll, muss selbst möglichst präzise arbeiten. Für den D-100 bedeutet das eine vollständig symmetrische, diskret aufgebaute Ausgangsschaltung, in die viel Erfahrung aus Luxmans Verstärkerentwicklung eingeflossen ist. Der Hersteller behandelt den Weg vom DAC zum Analogausgang entsprechend aufwendig. Uns gefällt diese Konsequenz, weil die Qualität einer digitalen Quelle genau hier zu einem sehr analogen Thema wird: Das Signal muss rauscharm, verzerrungsarm und unter den realen Bedingungen einer angeschlossenen Anlage zuverlässig bereitgestellt werden. Dazu passt die Stromversorgung. Luxman verwendet einen CI-Kerntransformator und trennt die Versorgung für linken und rechten Kanal bereits bei der Gleichrichtung. Eigene Regler und insgesamt 40.000 Mikrofarad Siebkapazität bilden ein großzügiges elektrisches Fundament. Dieser Aufwand soll die Schaltungsbereiche stabil versorgen und unerwünschte Wechselwirkungen begrenzen. Für eine Quelle, die auch sehr kleine Signalanteile sorgfältig verarbeiten soll, gehört diese Arbeit an der Versorgung unmittelbar zum eigentlichen Audiokonzept.
Selbst bei den Leiterplatten findet sich eine Besonderheit, die man leicht überlesen könnte. Im Audiobereich kommen sogenannte Peel-Coat-Platinen zum Einsatz, bei denen auf eine dauerhaft verbleibende Lötstoppmaske verzichtet wird. Hinzu kommen interne Leitungen aus sauerstofffreiem Kupfer. Solche Entscheidungen reichen weit in die praktische Ausführung der Schaltung hinein und machen deutlich, wie kleinteilig die Entwicklung auf diesem Niveau wird. Auch das massive Gehäuse steht auf eigens gewählten Füßen: Luxman setzt Isolatoren aus Gusseisen mit einem Dichtegradienten ein, um die Übertragung von Vibrationen und unerwünschte Resonanzen zu begrenzen. Zusammen mit der gekapselten Mechanik ergibt sich eine Konstruktion, bei der die Aufstellung von Anfang an mitgedacht wurde. Ein entsprechend stabiles Rack ist bei einem 25,4 Kilogramm schweren Player ohnehin eine sehr gute Idee. Zur sorgfältigen Wandlung gehört außerdem die zeitliche Genauigkeit. Im D-100 arbeiten zwei neu entwickelte Clock-Schaltungen mit besonders phasenrauscharmen Oszillator-ICs und großen Quarzen. Vereinfacht gesagt geht es darum, die Zeitreferenz für die digitale Verarbeitung und Wandlung möglichst sauber bereitzustellen. Die Art, wie das Eingangssignal angeliefert wird, berücksichtigt Luxman dabei ausdrücklich.
Für USB übernimmt ein eigener DSP die asynchrone Kommunikation, während an den S/PDIF-Eingängen ein Digital-Audio-Interface-Receiver, kurz DAIR, die entsprechende Taktaufbereitung übernimmt. Damit bekommt jeder Übertragungsweg eine passende Behandlung. Die Clock-Schaltungen bilden zusammen mit diesen Eingangsstufen eine Architektur, die auf die unterschiedlichen Bedingungen der digitalen Quellen abgestimmt ist.
Eine weitere Spezialität verbirgt sich hinter dem zunächst etwas eigenwilligen Namen Bulk Pet. Neben dem üblichen isochronen USB-Audiotransfer unterstützt der D-100 über eine entsprechende Treibersoftware auch diese alternative Übertragungstechnik. Sie verändert die Verteilung der Datenpakete und damit die Verarbeitungslast zwischen Computer und USB-Empfänger. Vier Modi stehen zur Auswahl, die unterschiedliche Kombinationen aus Lastverteilung und Übertragungsmuster verwenden. Die Audiodaten selbst bleiben dabei unverändert. Der Ansatz betrifft die Arbeitsbedingungen der beteiligten Elektronik; der Entwickler verbindet damit das Ziel, die Verarbeitungslast gleichmäßiger zu gestalten und klangliche Einflüsse zu reduzieren. Für jemanden, der seinen Computer gezielt als hochwertige Musikquelle verwendet, ist das eine ungewöhnliche Möglichkeit, verschiedene Betriebsarten im eigenen System auszuprobieren. Im normalen Alltag kann die USB-Verbindung selbstverständlich auch über den konventionellen Übertragungsweg genutzt werden.
Als D/A-Wandler verarbeitet der Luxman über USB PCM bis 768 Kilohertz bei 32 Bit und DSD bis 22,5 Megahertz, entsprechend DSD512. Damit eignet er sich auch für hochauflösende Musikbibliotheken und passende externe Netzwerktransporte. Besonders schlüssig ist beispielsweise die Verbindung mit einem Luxman NT-07, der das Streaming übernimmt, während der D-100 seine Wandler- und Analogsektion zur Verfügung stellt. Die Netzwerkwiedergabe wird auf diese Weise über eine separate Quelle ergänzt.
Daneben stehen ein koaxialer und zwei optische Digitaleingänge bereit, die PCM bis 192 Kilohertz bei 24 Bit sowie DSD64 über DoP akzeptieren. Dadurch lässt sich die hochwertige Digitalsektion für mehrere passende Quellen verwenden. Für eine Anlage, in der CDs, SACDs und Streaming nebeneinander ihren festen Platz haben, ist genau diese Vielseitigkeit attraktiv: Die sorgfältig entwickelte Ausgangsstufe bleibt für unterschiedliche Wege zur Musik nutzbar. Für die Feinabstimmung bietet der D-100 drei PCM- und zwei DSD-Filtereinstellungen. Solche Filter beeinflussen die Rekonstruktion des analogen Signals und eröffnen unterschiedliche Abstimmungen innerhalb der Wandlung. Wer gerne mit vertrauten Aufnahmen vergleicht, bekommt damit eine überschaubare Auswahl an Möglichkeiten, ohne sich durch ein halbes Dutzend Untermenüs arbeiten zu müssen. Die gewählte Einstellung lässt sich anschließend im Alltag einfach beibehalten.
Der Anschluss an den Verstärker erfolgt über symmetrische XLR-Ausgänge von Neutrik oder Luxmans besonders massiv ausgeführte Cinch-Buchsen. Letztere sitzen mit 22 Millimetern Abstand ausreichend weit auseinander, damit auch größere Stecker vernünftig Platz finden. Ein kleines Detail, das man schätzt, sobald eine hochwertige Verbindung tatsächlich angeschlossen werden soll. Über die Phase-Invert-Funktion lässt sich außerdem die absolute Polarität der analogen Ausgänge umschalten; bei XLR wechselt dabei auch die Zuordnung von Pin 2 und Pin 3 als heißem beziehungsweise kaltem Signalanschluss. Wie weit die technische Auslegung reicht, zeigt sich auch in den angegebenen Messwerten. Luxman nennt für den D-100 einen A-bewerteten Rauschabstand von 125 Dezibel und bei USB-Zuspielung mit 96 Kilohertz einen Gesamtklirrfaktor von 0,0006 Prozent. Das beschreibt die Präzision des fertigen Geräts einschließlich seiner analogen Elektronik. Für uns ist daran besonders interessant, dass der erhebliche konstruktive Aufwand mit einem entsprechend anspruchsvollen messtechnischen Ziel verbunden ist. Musikalisch richtet Luxman den D-100 auf feine dynamische Abstufungen, Klangfarben und eine weit aufgefächerte räumliche Darstellung aus. Dahinter steckt ein Anspruch, den wir bei einer solchen Quelle sehr gut nachvollziehen können. Eine große Orchesteraufnahme soll ihre Spannung vom leisen Beginn bis zum vollen Einsatz behalten, während bei einer einzelnen Stimme die kleinen Veränderungen der Phrasierung ihren Platz bekommen. Gerade diese Bewegungen innerhalb der Musik machen den Unterschied zwischen einer interessanten Aufnahme und einem Abend aus, der einem im Gedächtnis bleibt. Dasselbe gilt für Musik, die mit klassischem Vorführmaterial wenig zu tun hat. Eine gute elektronische Produktion lebt von präzise gesetzten Impulsen, übereinanderliegenden Flächen und der Spannung im Bass; ein rau aufgenommenes Rockalbum besitzt vielleicht gerade durch seine Direktheit einen besonderen Reiz. Eine Spitzenquelle soll solchen unterschiedlichen Aufnahmen gerecht werden und ihre Eigenheiten erhalten. Mit dieser Erwartung würden wir an einen D-100 herangehen und ihn auch vorführen: mit Musik, die seinem zukünftigen Besitzer tatsächlich etwas bedeutet.
Im täglichen Umgang bleibt der große Luxman erfreulich zugänglich. Das hochauflösende OLED-Display besitzt gegenüber dem D-10X eine um rund 70 Prozent größere Anzeigefläche und informiert über Wiedergabe, Eingangsformat und gewählte Einstellungen. Eine vierfache Zoom-Darstellung verbessert die Ablesbarkeit aus der Hörposition, während vier Dimmstufen und eine automatische Abdunklung die Helligkeit an den Raum anpassen lassen. Gerade abends darf die Anzeige gerne etwas zurücktreten, während die Musik den Raum übernimmt. Die schlanke Aluminium-Fernbedienung mit Ziffernfeld gehört dazu und bietet jenen direkten Zugriff, den man bei einer klassischen Stereoanlage so schnell schätzen lernt. Ein bestimmter Titel ist mit wenigen Tastendrücken gewählt, und für die Wiedergabe einer CD oder SACD braucht es keinen Blick aufs Smartphone. Das besitzt einen ganz eigenen Luxus, wenn der restliche Tag ohnehin schon aus Bildschirmen bestanden hat.
Gestalterisch fügt sich der D-100 CENTENNIAL in Luxmans Spitzenserie rund um die Vorstufe C-10X und die Endstufe M-10X ein. Die starke Front, die bewusst gesetzte Kontur zwischen Frontplatte und Gehäuse sowie das fein abgestimmte Finish geben ihm eine Präsenz, die auch in einem wohnlich eingerichteten Raum funktioniert. Eine solche Anlage darf sichtbar sein. Gerade die Verbindung aus kühlem Metall, präziser Mechanik und einer über viele Jahre gewachsenen Musiksammlung macht ihren Reiz aus. Bei Longtone interessiert uns der D-100 deshalb besonders als Quelle für sorgfältig zusammengestellte Anlagen, in denen Verstärker, Lautsprecher und Raum bereits ein entsprechend hohes Niveau erreichen. Dort lohnt sich die intensive Beschäftigung mit der Quelle, mit ihrer Einbindung und mit den Aufnahmen, die man darüber hören möchte. Das massive Laufwerk, die eigenständige Analogschaltung und die vielseitige Digitalsektion geben einer solchen Vorführung reichlich Substanz.
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