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Luxman L-100 Centennial

Luxman L-100 Centennial

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Das sanfte Gelb der Zeigerinstrumente steht dem Luxman L-100 CENTENNIAL ausgesprochen gut, weil es seiner hellen Aluminiumfront genau jene Wärme gibt, die man sich an einem langen Musikabend wünscht. Das verchromte CENTENNIAL-Emblem setzt einen kleinen Glanzpunkt, die Regler sitzen dort, wo die Hand sie erwartet, und die Proportionen haben diese selbstverständliche Eleganz, mit der ein schönes Gerät im Wohnzimmer seinen Platz findet. Man schaut gerne hin, auch wenn gerade keine Musik läuft, und freut sich ein wenig auf den Moment, in dem die Nadeln wieder ausschlagen. Zum hundertjährigen Bestehen hat Luxman mit dem L-100 CENTENNIAL einen reinen Class-A-Vollverstärker entwickelt, der viel über die musikalischen Prioritäten der Marke erzählt. Er ist der erste Luxman-Vollverstärker, der diese Betriebsart mit der firmeneigenen LIFES-Verstärkertechnologie verbindet, und vereint sie mit einer aufwendigen analogen Lautstärkeregelung und einer Ausstattung, die auch einer über Jahre gewachsenen Anlage gerecht wird. Hinter dem Jubiläumsnamen steckt damit ein eigenständiges Verstärkerkonzept, das sich bis in die Stromversorgung und den mechanischen Aufbau verfolgen lässt.

Der klangliche Anspruch passt zu Menschen, die bei Musik gerne näher heranrücken: an die raue Kante einer Stimme, den Körper eines Cellos oder die Spannung, mit der eine Band einen Groove trägt. Luxman richtet diesen Verstärker auf eine geschmeidige, farbige und dichte Wiedergabe aus, bei der auch feine Abstufungen Gewicht bekommen sollen. Das macht ihn besonders reizvoll für Hörabende, an denen man sich durch ganze Alben hört und irgendwann bemerkt, dass die geplante letzte Seite einer Platte schon wieder eine Stunde zurückliegt.

Technisch beginnt diese Idee beim Arbeitspunkt der Ausgangsstufe. Im Class-A-Bereich bleiben die Ausgangstransistoren über den gesamten Signalzyklus leitend; dafür sorgt ein entsprechend hoher Ruhestrom. Die beim Ein- und Ausschalten der Gegentaktzweige möglichen Übernahmeverzerrungen werden auf diese Weise vermieden. Das verlangt nach einer kräftigen Stromversorgung und einer Konstruktion, die mit der entstehenden Wärme umgehen kann, weshalb sich diese Entscheidung auf den gesamten Verstärker auswirkt.

Die bipolare Ausgangsstufe ist als dreifach parallele Gegentaktschaltung aufgebaut, bei der sich pro Kanal drei Transistorpaare die Arbeit teilen. Luxman spezifiziert 20 Watt pro Kanal an acht Ohm und 40 Watt pro Kanal an vier Ohm. Die Verdoppelung bei halbierter Lastimpedanz zeigt, dass die Versorgung den dafür steigenden Strombedarf innerhalb der angegebenen Leistung mitträgt. Für einen Verstärker dieser Leistungsklasse ist das ein großzügiger Aufbau, der den Aufwand bewusst auf den vorgesehenen Class-A-Arbeitsbereich konzentriert. Bei der Zusammenstellung der Anlage verdienen die Lautsprecher deshalb etwas Aufmerksamkeit. Ihre Empfindlichkeit und ihr Impedanzverlauf entscheiden gemeinsam mit Hörabstand, Raumgröße und gewünschter Lautstärke darüber, wie viel Leistungsreserve gebraucht wird. Mit passend gewählten Lautsprechern lässt sich um den L-100 CENTENNIAL eine ausgesprochen reizvolle Anlage aufbauen, deren Reiz schon bei normalen Wohnraumpegeln zum Tragen kommen soll. Diese Abstimmung gehört für uns bei Longtone zum Vergnügen an einem solchen Verstärker, weil sich damit eine sehr persönliche Kombination finden lässt.

Im Netzteil arbeitet ein eigens spezifizierter EI-Kerntransformator mit acht großen Siebkondensatoren zu jeweils 10.000 Mikrofarad zusammen. Die insgesamt 80.000 Mikrofarad dienen als Energiereservoir und glätten die Versorgungsspannung, während der Transformator den laufenden Bedarf deckt. Gerade eine Class-A-Schaltung verlangt der Versorgung bereits im Ruhezustand einiges ab; dieser Aufbau schafft die elektrische Grundlage für ihren Betrieb und hält Reserven für wechselnde Anforderungen bereit. Auch die Gleichrichtung lohnt einen genaueren Blick, denn Luxman verwendet hier Schottky-Barrier-Dioden von Kyocera. Bei der Umwandlung der Wechselspannung in Gleichspannung sind unter anderem die Schalteigenschaften der Dioden relevant, und Luxman wählt diese Bauteile gezielt wegen ihres geringen Schaltstörverhaltens. Solche Entscheidungen sieht man dem Verstärker von außen kaum an, sie machen aber verständlich, wie konsequent seine Entwickler auch die Versorgung der eigentlichen Audioschaltung behandeln. Deren Herzstück ist LIFES 1.1, ausgeschrieben „Luxman Integrated Feedback Engine System“. Die Technologie ging aus der Weiterentwicklung von Luxmans ODNF-Konzept hervor und nutzt eine gezielte Erkennung von Abweichungen zwischen Eingangs- und Ausgangssignal. In Version 1.1 werden die FETs am Eingang dieser Fehlererkennung parallel geschaltet, um die Verzerrungen weiter zu verringern. Die Änderung sitzt damit an einer besonders interessanten Stelle: in jener Schaltung, die überhaupt erst bestimmt, welche Fehler bei der Verstärkung korrigiert werden müssen.

Wie viel musikalischer Ausdruck in kleinen Veränderungen steckt, lässt sich an einer Stimme hören, die fast gesprochen beginnt und sich allmählich öffnet, während die Begleitung im selben Moment etwas zurücknimmt. Solche Stellen machen ein Album persönlich, weil man sie nach Jahren noch erwartet und trotzdem jedes Mal darin hängen bleibt. Luxmans Anspruch an den L-100 ist eine Verstärkung, die diesen feinen Abstufungen ebenso viel Bedeutung gibt wie dem großen Einsatz der gesamten Band. Ähnlich sorgfältig ist die Lautstärkeregelung angelegt. Der L-100 CENTENNIAL verwendet das neue LECUA1000, bei dem elektronisch geschaltete Festwiderstände den Pegel im analogen Signalweg verändern. Die Regelung ist unmittelbar mit der Verstärkerschaltung verbunden, wodurch die Wege zwischen Dämpfung und Verstärkung kurz bleiben. Du bestimmst die Lautstärke am großen Frontregler oder mit der Fernbedienung, während im Inneren definierte Widerstandskombinationen die gewünschte Einstellung herstellen.

LECUA1000 bietet 88 Pegelstufen von minus 87 bis null Dezibel in Ein-Dezibel-Schritten, ergänzt um die Stummschaltung. Das erlaubt eine gut reproduzierbare Einstellung, die sich über die Anzeige zwischen den Zeigerinstrumenten ablesen lässt. Gerade beim leisen Hören ist eine sorgfältige Pegelregelung wertvoll, wenn bereits eine kleine Änderung darüber entscheidet, ob Musik nebenher läuft oder genug Präsenz bekommt, um einen ganz einzunehmen.

Am Ausgang der Vorstufe sitzt außerdem eine diskret aufgebaute Pufferschaltung, deren Konzept aus Luxmans hochwertigen separaten Vorverstärkern stammt. Sie übernimmt die Ansteuerung der nachfolgenden Stufe und schafft damit einen sauber definierten Übergang zwischen Lautstärkeregelung und Leistungsverstärkung. Diese Aufmerksamkeit für die Vorstufe ist wesentlich, denn die Endstufe kann letztlich nur mit dem Signal arbeiten, das ihr zuvor aufbereitet wurde. Der Blick auf die Verbindungsplatinen zwischen Anschlüssen und Verstärkerschaltung zeigt weitere Eigenheiten. Luxman setzt dort Peel-Coat-Platinen ein, bei denen auf die übliche Lötstopplackbeschichtung verzichtet wird, um deren dielektrische Einflüsse zu vermeiden. Die sogenannte Beeline Construction richtet die Schaltungsführung auf möglichst direkte Wege aus, während bei der Eingangswahl sorgfältig ausgewählte Relais die Kanaltrennung unterstützen sollen. Der Aufbau folgt damit bis in kleine Verbindungen einer erkennbaren Linie.

Auch am Lautsprecherausgang wird auf einen niedrigen Widerstand geachtet. Luxman schaltet dafür große, niederohmige Lautsprecherrelais parallel und nennt einen Dämpfungsfaktor von 300. Dieser Wert beschreibt unter den jeweiligen Messbedingungen das Verhältnis zwischen Lastimpedanz und Ausgangsimpedanz des Verstärkers; er gehört zu den Eigenschaften, die für die elektrische Wechselwirkung mit dem Lautsprecher relevant sind. Zusammen mit der dreifach parallelen Ausgangsstufe ergibt sich ein Aufbau, bei dem die Leistung und ihr Weg zum Lautsprecher gleichermaßen berücksichtigt werden.

Für einen Plattenspieler ist eine MM/MC-Phonostufe integriert, die zwei parallel geschaltete FETs mit einer Operationsverstärkerschaltung verbindet. Im MM-Betrieb beträgt die Abschlussimpedanz 47 Kiloohm bei einer angegebenen Eingangsempfindlichkeit von 2,5 Millivolt, im MC-Betrieb sind es 100 Ohm und 0,3 Millivolt. Damit stehen zwei klar definierte Betriebsarten zur Verfügung, deren Eignung sich anhand der Daten des jeweiligen Tonabnehmers bestimmen lässt. Vinyl fügt sich auch gestalterisch wunderbar in diese Anlage ein, wenn neben dem Luxman ein sorgfältig ausgewählter Plattenspieler steht und man die nächste Seite schon bereitlegt, während die vorige noch ausläuft. Der Tonabnehmerwahlschalter ist direkt an der Front erreichbar, ebenso wie die Mute-Taste. Für Mono-Platten lassen sich die beiden Kanäle über die Mono-Funktion zusammenführen, und ein schaltbares Subsonicfilter kann sehr tiefe Störanteile reduzieren, wie sie beispielsweise bei verwellten Schallplatten entstehen.

Überhaupt lässt Luxman viel Raum für den tatsächlichen Musikalltag. Bass und Höhen können über die beiden Klangregler angepasst werden; der maximale Regelbereich beträgt jeweils plus/minus acht Dezibel, bezogen auf 100 Hertz beziehungsweise zehn Kilohertz. Eine behutsame Korrektur kann sich bei einer schlank aufgenommenen Platte ebenso anbieten wie bei einer Aufnahme, deren Hochton im eigenen Raum zu präsent wirkt. Die Regler geben dir die Möglichkeit, darauf zu reagieren und anschließend in Ruhe weiterzuhören.

Für kleine Hörpegel gibt es zusätzlich Loudness, das Bass und Höhen anhebt und damit berücksichtigt, dass unser Gehör diese Bereiche bei geringer Lautstärke weniger stark wahrnimmt. Über Line Straight lassen sich Klangregelung und Balance sowie die Funktionen Mono, Loudness und Subsonic umgehen. So kannst du die direkte Wiedergabe wählen oder gezielt eine Anpassung nutzen, wenn sie dem jeweiligen Album und der Situation entgegenkommt. Vier Cinch-Hochpegeleingänge und zwei symmetrische XLR-Eingänge bieten Platz für unterschiedliche Quellen, etwa einen CD-/SACD-Player und den Analogausgang eines Streamers oder separaten DACs. Am LINE-1-Eingang sind die besonders stabilen Luxman-Cinchbuchsen mit 20 Millimetern Abstand angeordnet, damit auch größere Stecker genügend Platz bekommen. Die beiden schaltbaren Lautsprecheranschlussgruppen ermöglichen Bi-Wiring mit entsprechend ausgelegten Lautsprechern und nehmen auch Kabel mit Bananensteckern oder Kabelschuhen auf. Über Pre-Out und Main-In lassen sich Vor- und Endstufe getrennt verwenden. Du kannst damit beispielsweise eine zusätzliche Endstufe einbinden oder die interne Endstufe über eine externe Vorstufe ansteuern, die dann die Lautstärkeregelung übernimmt. Der L-100 CENTENNIAL lässt sich so auch in Anlagen einplanen, deren Aufbau sich mit der Zeit verändert, während er im normalen Betrieb als vollständiger Vollverstärker alle wesentlichen Aufgaben zusammenführt.

Für Kopfhörer stehen eine klassische 6,3-Millimeter-Buchse und ein 4,4-Millimeter-Anschluss bereit. Letzterer nutzt die unsymmetrische Verstärkerschaltung mit getrennten Masseleitungen für den linken und rechten Kanal, wodurch die gegenseitige Beeinflussung über einen gemeinsamen Rückleiter verringert werden kann. Mit einem passend verkabelten Kopfhörer lässt sich diese Anschlussart nutzen, wenn der Musikabend später wird und die Lautsprecher über den Wahlschalter ausgeschaltet werden.

Der mechanische Aufbau passt zum elektrischen Aufwand. Ein Chassis in Loop-less-Konstruktion soll unerwünschte Einflüsse von Gehäuseströmen auf die Masseführung verringern, während massive Gusseisenfüße mit abgestufter Materialstruktur gegen störende Resonanzen und äußere Vibrationen wirken sollen. Mit 25,4 Kilogramm Gewicht und Abmessungen von 44 Zentimetern Breite, 17,8 Zentimetern Höhe und 45,4 Zentimetern Tiefe einschließlich Reglern und Anschlüssen ist der Luxman eine ausgesprochen substanzielle Erscheinung.

Sein Platz im Rack braucht ausreichend Luft, denn der hohe Ruhestrom gehört zur Class-A-Auslegung und bringt entsprechende Wärmeentwicklung mit sich. Für die europäische Ausführung nennt Luxman rund 210 Watt Leistungsaufnahme ohne Eingangssignal. Eine zuschaltbare Auto-Power-Save-Funktion kann das Gerät nach 20 Minuten ohne Signal und Bedienung in den Standby versetzen, wenn man nach einem langen Album doch einmal vergisst, es auszuschalten. Die Aluminiumfernbedienung übernimmt die wichtigsten Einstellungen vom Hörplatz und kann auch kompatible Luxman-CD-Player steuern. Instrumentenbeleuchtung und Pegelanzeige lassen sich unabhängig voneinander abschalten, je nachdem, wie viel Licht du beim Hören möchtest. Wobei die gelb beleuchteten Zeiger durchaus bleiben dürfen, wenn sich draußen längst der Abend über die Stadt gelegt hat und drinnen gerade eine Aufnahme läuft, für die man sich noch ein bisschen mehr Zeit nehmen möchte.

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