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Ortofon 2M Black

Ortofon 2M Black

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Das Ortofon 2M Black ist der Tonabnehmer für den Moment, an dem man aufhört, Vinyl nur wegen seines Charmes zu hören.

Denn natürlich hat die Schallplatte Charme. Das große Cover, das Auflegen, die Bewegung des Tonarms, dieses wunderbar unpraktische Ritual, bei dem man nach zwanzig Minuten tatsächlich vom Sofa aufstehen muss. All das gehört dazu. Aber irgendwann möchte man wissen, was in einer guten Rille tatsächlich steckt, wenn man sie nicht nur irgendwie abtastet, sondern wirklich präzise liest.

Genau dort beginnt das 2M Black.

Es ist das klassische Flaggschiff der 2M-Serie und unterscheidet sich vom ohnehin bereits hervorragenden 2M Bronze vor allem an jener Stelle, an der am Ende alles entschieden wird: am Diamanten. Während das Bronze mit einem nackten Fine-Line-Schliff arbeitet, setzt Ortofon beim Black auf einen nackten Shibata-Diamanten mit einem besonders schmalen, langgezogenen Kontaktprofil. Der Radius liegt bei 6/50 µm, und durch diese Geometrie berührt der Diamant die Rillenflanken über eine deutlich größere vertikale Fläche, als es bei einfacheren elliptischen Schliffen möglich ist.

Das ist technisch interessant, klanglich aber noch viel interessanter.

Denn das Black spielt nicht einfach heller oder spektakulärer als das Bronze. Es macht nicht den klassischen Vorführtrick, bei dem nach zehn Sekunden mehr Hochton als „mehr Auflösung“ verkauft wird. Seine Qualität zeigt sich vielmehr darin, wie selbstverständlich Informationen miteinander verbunden bleiben. Ein leises Geräusch im Aufnahmeraum wird nicht plötzlich zum Ereignis, sondern bekommt seinen richtigen Platz im Hintergrund. Eine Stimme steht nicht bloß präzise in der Mitte, sondern besitzt eine tatsächliche räumliche Ausdehnung. Bei einem Schlagzeug lässt sich besser nachvollziehen, wie ein Anschlag beginnt, wie das Fell reagiert und wie der Raum danach wieder zurückkommt.

Das klingt subtil, bis man zurückwechselt.

Dann fehlt plötzlich etwas.

Der Shibata-Schliff wurde ursprünglich für besonders anspruchsvolle Hochfrequenzinformationen entwickelt, und genau diese Fähigkeit ist auch bei normalen Stereo-Platten sein großer Reiz. Das schlanke, hochpolierte Profil kann sehr kleine Rillenmodulationen verfolgen und besitzt eine außergewöhnlich große Kontaktfläche zu den Rillenwänden. Ortofon verbindet damit eine besonders detaillierte Wiedergabe bis hin zu den höchsten in der Rille gespeicherten Frequenzinformationen.

Wir würden das etwas weniger technisch formulieren: Das Black hört einfach verdammt gut zu.

Und zwar nicht nur im Hochton.

Der Bass profitiert mindestens genauso stark von dieser Präzision. Ein sauber gelesener Bassimpuls bekommt einen klareren Anfang, einen nachvollziehbareren Verlauf und ein saubereres Ende, wodurch tiefe Frequenzen oftmals weniger fett, dafür körperlicher wirken. Man hört besser, ob eine Bassgitarre mit Fingern oder Plektrum gespielt wird, wie lange eine Note stehen bleibt und wie sehr der Raum an ihr beteiligt ist. Bei elektronischer Musik werden tiefe Flächen stabiler und besser voneinander getrennt, während eine Kickdrum nicht einfach nur Druck erzeugt, sondern wirklich einen rhythmischen Impuls setzt.

Das 2M Black kann deshalb ausgesprochen körperlich spielen, obwohl seine große Stärke zunächst wie maximale Feinauflösung klingt.

Gerade das macht es so gut.

Denn Auflösung allein interessiert uns nicht besonders. Eine Anlage, die immer mehr kleine Geräusche zeigt, aber irgendwann vergessen lässt, warum man die Platte überhaupt aufgelegt hat, ist zwar technisch beeindruckend, macht aber auf Dauer ungefähr so viel Freude wie das Lesen einer Bedienungsanleitung.

Das Black schafft es, sehr viel Information zu zeigen und trotzdem Musik zu machen.

Seine Transparenz kann durchaus schonungslos sein, und das sollte man nicht verschweigen. Bereits ältere unabhängige Tests beschrieben das 2M Black als außergewöhnlich detailreich, dynamisch und transparent, mit sehr ausdrucksstarken Stimmen und lebendigem Timing; gleichzeitig wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine ohnehin sehr helle Anlage sorgfältig kombiniert werden sollte.

Das deckt sich ziemlich genau mit dem Charakter, den wir einem Shibata-System dieser Klasse zuschreiben würden.

Das 2M Black ist kein Tonabnehmer, den man kauft, damit eine aggressive Anlage plötzlich höflich klingt. Es ist auch nicht dafür gemacht, mittelmäßige Pressungen mit einer großzügigen Portion Wärme zu überziehen. Es zeigt sehr genau, was vor ihm liegt. Wenn die Aufnahme großartig ist, kann das faszinierend sein. Wenn ein Album hart, überkomprimiert und schlecht geschnitten wurde, wird daraus durch einen schwarzen Nadeleinschub kein Meisterwerk.

Aber das bedeutet nicht, dass man damit nur audiophile Pressungen hören kann.

Ganz im Gegenteil.

Rock kann über das Black fantastisch funktionieren, gerade weil Gitarren mehr Textur bekommen und verzerrte Flächen nicht so schnell zu einer einzigen Masse zusammenfallen. Bei Metal bleiben Doppelbass, Gitarren und Becken besser voneinander getrennt, wenn die Produktion es zulässt. Elektronische Musik gewinnt an Staffelung, weil einzelne Synthesizer-Ebenen nicht ineinanderlaufen. Bei Soul und Jazz wiederum zeigt sich sehr schnell, wie gut das Black Stimmen, Bläser und kleine dynamische Veränderungen erfassen kann.

Man muss also nicht anfangen, seine Plattensammlung nach Aufnahmetechnik zu sortieren.

Man hört nur deutlicher, wie unterschiedlich diese Platten eigentlich sind.

Und genau das ist ein wichtiger Unterschied.

Ein wirklich guter Tonabnehmer sollte nicht alles gleich schön machen. Wenn eine Platte trocken produziert wurde, darf sie trocken sein. Wenn eine Aufnahme warm, dicht und dunkel gemastert ist, soll genau das erhalten bleiben. Das 2M Black legt keine eigene dicke Klangfarbe über jede Platte, sondern lässt Unterschiede zwischen Produktionen, Pressungen und Masterings deutlich stärker hervortreten.

Das kann sehr schnell dazu führen, dass man Alben neu entdeckt, von denen man dachte, man kenne sie seit zwanzig Jahren.

Nicht, weil plötzlich ein bisher unbekannter Gitarrist hinter dem linken Lautsprecher auftaucht, sondern weil kleine Zusammenhänge klarer werden. Vielleicht versteht man zum ersten Mal richtig, wie tief ein Background-Chor im Raum steht. Vielleicht bemerkt man, dass der Hall einer Stimme erst weit hinter der eigentlichen Aufnahme endet. Oder dass der vermeintlich etwas weiche Bass einer alten Pressung in Wahrheit eine erstaunlich komplexe Textur besitzt.

Solche Dinge machen das Black interessant.

Technisch teilt es sich seinen hochwertigen Generator mit dem 2M Bronze. Beide Systeme arbeiten mit vier Spulen, Ortofons Split-Pole-Pin-Technologie und versilbertem OFC-Spulendraht. Genau deshalb lässt sich ein vorhandenes 2M Bronze auch offiziell durch den Black-Nadeleinschub aufrüsten. Bronze, Black und Black LVB 250 bilden innerhalb der 2M-Serie eine eigene kompatible Familie.

Das ist erwähnenswert, weil der Unterschied zwischen Bronze und Black dadurch tatsächlich sehr schön isoliert werden kann.

Der Generator bleibt gleich.

Der Diamant ändert sich.

Und trotzdem verändert sich die Wiedergabe deutlich.

Das ist wahrscheinlich die beste Demonstration dafür, wie entscheidend die Nadelgeometrie bei einem Tonabnehmer wirklich ist.

Der Shibata-Diamant des Black tastet mit einem Radius von 6/50 µm, während der Fine-Line-Diamant des Bronze bei 8/40 µm liegt. Beide sind nackte Diamanten, beide arbeiten mit 1,5 Gramm empfohlener Auflagekraft und beide besitzen eine dynamische Compliance von 22 µm/mN. Der eigentliche Schritt entsteht also nicht durch mehr Gewicht oder einen völlig anderen Generator, sondern durch die komplexere Kontaktgeometrie des Shibata-Schliffs.

Beim Hören übersetzt sich das vor allem in mehr Feinzeichnung und eine noch sauberere räumliche Ordnung.

Das Bronze ist bereits präzise, schnell und ausgesprochen erwachsen. Das Black geht weiter in die Aufnahme hinein. Räume wirken tiefer, feine Ausklänge lassen sich länger verfolgen, und Stimmen bekommen eine fast greifbare Textur. Gerade bei sehr guten Pressungen entsteht manchmal dieses schwer zu beschreibende Gefühl, dass die Wiedergabe nicht nur zwischen den Lautsprechern stattfindet, sondern ein eigener akustischer Raum aufgeht.

Das ist für uns wesentlich spannender als die Frage, ob irgendwo ein halbes Dezibel mehr Hochton vorhanden ist.

Wenn Analog richtig gut wird, geht es irgendwann nicht mehr um Bass, Mitten und Höhen.

Es geht um Raum, Zeit und Körper.

Ein Schlagzeug muss nicht nur an der richtigen Stelle stehen, sondern auch die richtige Größe besitzen. Eine Stimme braucht nicht nur einen Mittelpunkt, sondern Mund, Brust und Umgebung. Ein Klavier darf nicht aus einer Reihe sauber sortierter Töne bestehen, sondern muss als großes mechanisches Instrument im Raum nachvollziehbar werden.

Das 2M Black kann genau diese Ebene sehr überzeugend erschließen.

Allerdings fordert es dafür etwas mehr Sorgfalt als Red oder Blue.

Der Shibata-Schliff besitzt eine große Kontaktfläche mit der Rillenwand, und genau deshalb reagiert er sensibler auf die geometrische Einstellung. Ein Black, das nur ungefähr gerade eingebaut wurde, verschenkt einen erheblichen Teil dessen, wofür man bezahlt hat. Überhang und Kröpfung sollten wirklich stimmen, ebenso Auflagekraft und Antiskating, und je nach Tonarm lohnt es sich, auch den vertikalen Abtastwinkel beziehungsweise die Tonarmhöhe ernst zu nehmen.

Das bedeutet nicht, dass man nach der Montage drei Tage mit einem Mikroskop unter dem Plattenspieler verbringen muss.

Aber sauber sollte es sein.

Ortofon empfiehlt 1,5 Gramm Auflagekraft bei einem zulässigen Bereich von 1,4 bis 1,7 Gramm. Das System wiegt in der klassischen 2M-Ausführung 7,2 Gramm und besitzt eine dynamische Compliance von 22 µm/mN, wodurch es sehr gut mit vielen mittelschweren Tonarmen harmoniert. Die Kanaltrennung wird mit 26 dB bei 1 kHz angegeben, die Abtastfähigkeit mit 80 µm bei 315 Hz.

Wir würden beim Black noch weniger als bei günstigeren Systemen versuchen, durch abweichende Auflagekräfte irgendeine vermeintliche Klangabstimmung zu erzeugen. Zuerst gehört es korrekt montiert, und 1,5 Gramm sind dafür ein sehr guter Ausgangspunkt.

Wenn danach alles stimmt, kann man Musik hören.

Und genau darum geht es schließlich.

Elektrisch bleibt das 2M Black erfreulich unkompliziert. Trotz seines hohen Anspruchs handelt es sich weiterhin um ein klassisches Moving-Magnet-System mit kräftigen 5 mV Ausgangsspannung. Ortofon empfiehlt einen Abschluss von 47 kOhm und eine Gesamtkapazität zwischen 150 und 300 pF. Damit lässt es sich an sehr vielen guten MM-Phonostufen betreiben, ohne dass man sich in die Welt von MC-Verstärkung, Übertragern und unterschiedlichen Abschlussimpedanzen begeben muss.

Das ist für uns einer der großen Reize dieses Systems.

Das Black bietet einen erheblichen Teil jener Feinzeichnung, wegen der viele Hörer/innen irgendwann in Richtung hochwertiger Moving-Coil-Systeme schauen, behält dabei aber die Alltagstauglichkeit eines MM-Tonabnehmers. Die Ausgangsspannung ist hoch, die Nadel kann separat gewechselt werden und die Auswahl passender Phonostufen ist riesig.

Allerdings lohnt sich beim Black eine richtig gute Phonostufe.

Natürlich funktioniert es auch an einem ordentlich gemachten integrierten MM-Eingang, aber irgendwann wird das Verhältnis etwas absurd: Ein Shibata-Diamant liest mit großer Präzision feinste Informationen aus der Rille, nur damit sie anschließend in einer mittelmäßigen Phonosektion verschwinden.

Das muss nicht sein.

Mit einer hochwertigen Phonostufe wird gerade jene Ruhe hörbar, die das Black auszeichnet. Die Bühne wird stabiler, der Bass gewinnt an Kontrolle, feine dynamische Abstufungen treten klarer hervor und der Hochton wirkt weniger wie „mehr Information“, sondern einfach freier.

Ähnlich wichtig ist der Plattenspieler selbst.

Das 2M Black ist nicht der Tonabnehmer, den wir auf irgendein sehr einfaches Laufwerk setzen würden, nur weil er mechanisch daraufpasst. Es braucht einen Tonarm mit guter Lagerung und einen Plattenspieler, der genug mechanische Ruhe mitbringt, damit der Shibata-Schliff seine Fähigkeiten überhaupt zeigen kann.

Auf einem guten Rega, Pro-Ject, Technics oder einem sauber aufgebauten Linn wird es interessant.

Und zwar sehr.

Gerade bei Laufwerken, die man bereits gut kennt, kann ein Wechsel zum Black fast ein wenig irritierend sein. Man erkennt den Charakter des Plattenspielers weiterhin, aber plötzlich scheint er tiefer in die Aufnahme greifen zu können. Der Bass wird genauer strukturiert, Stimmen bekommen mehr räumliche Stabilität und der Hochton öffnet sich, ohne dass man den Eindruck bekommt, ein anderer Plattenspieler stünde vor einem.

Genau so sollte ein Tonabnehmer-Upgrade funktionieren.

Es ersetzt nicht den Charakter des Laufwerks.

Es lässt mehr davon durch.

Für Rega-Tonarme gibt es mit dem 2MR Black wiederum eine speziell flachere Variante, die Ortofon für Plattenspieler mit niedriger Einbauhöhe entwickelt hat. Technisch bleibt der wichtige Teil erhalten: Nude-Shibata-Diamant, 5 mV Ausgangsspannung, 22 µm/mN Compliance, versilberte OFC-Spulen und 1,5 Gramm empfohlene Auflagekraft; das niedrigere Gehäuse bringt das 2MR Black allerdings auf 6 Gramm und erleichtert eine korrekte Tonarmgeometrie ohne zusätzliche Spacer.

Für klassische S-förmige Tonarme mit SME-kompatiblem Bajonett bietet Ortofon außerdem die vormontierte Version auf dem SH-4-Headshell an, während für andere Montagekonzepte auch eine Verso-Ausführung existiert.

Das bedeutet, dass sich das Black in erstaunlich viele Anlagen integrieren lässt.

Die wichtigere Frage ist eher, ob die restliche Anlage bereit dafür ist.

Denn das 2M Black kann nicht nur zeigen, wie gut eine Platte ist. Es zeigt ebenso deutlich, was Tonarm, Phonostufe und Lautsprecher davor und dahinter machen.

Das finden wir keineswegs negativ.

Irgendwann sollte ein hochwertiger Tonabnehmer genau das tun.

Wer allerdings eine bewusst warme, gemütliche Anlage besitzt und diesen Charakter unbedingt erhalten möchte, sollte das Black vorher anhören. Seine Transparenz und Lebendigkeit können in einer bereits sehr offensiv abgestimmten Kette zu viel des Guten werden, was auch unabhängige Tests immer wieder angemerkt haben.

In einer ausgewogenen Anlage passiert dafür etwas Wunderbares.

Das Black hat Energie.

Es spielt nicht steril und auch nicht akademisch. Es kann richtig dynamisch werden, besitzt einen sehr direkten rhythmischen Zugriff und macht bei guter Musik erstaunlich viel Spaß. Die feine Nadelgeometrie führt also keineswegs dazu, dass man nur noch mit verschränkten Armen die Qualität einzelner Pressungen bewertet.

Ganz im Gegenteil.

Eine gute Funkplatte groovt.

Rock bekommt Attacke.

Ein Orchester kann plötzlich aus völliger Ruhe heraus sehr groß werden.

Und eine einzelne Stimme kann einen Raum mit erstaunlich wenig Aufwand vollständig einnehmen.

Vielleicht ist das überhaupt der entscheidende Unterschied zwischen hoher Auflösung und guter Auflösung.

Hohe Auflösung zeigt viel.

Gute Auflösung lässt einen vergessen, dass überhaupt etwas gezeigt wird.

Das 2M Black kann, wenn der Rest der Anlage stimmt, erstaunlich oft zur zweiten Kategorie gehören.

Auch gebrauchte Platten können damit spannend sein. Der langgezogene Shibata-Schliff berührt die Rillenflanke auf einer anderen Fläche als viele einfachere Nadeln, wodurch er in bestimmten Fällen Bereiche lesen kann, die von früher verwendeten sphärischen oder elliptischen Schliffen weniger beansprucht wurden. Daraus sollte man keine Wunderheilung für zerkratztes Vinyl ableiten, aber gerade bei gut erhaltenen älteren Pressungen kann ein hochwertiger Line-Contact-Schliff überraschend viel herausholen.

Sauberkeit wird dabei allerdings wichtiger.

Ein hochpräziser Diamant kann nur das lesen, was tatsächlich in der Rille liegt, und wenn sich dort zusätzlich Staub, Fasern und die Rückstände der letzten zwanzig Jahre befinden, bekommt man diese Information eben ebenfalls geliefert. Eine vernünftige Plattenwäsche und regelmäßige Nadelpflege gehören beim Black deshalb für uns ganz selbstverständlich dazu.

Ortofon gibt für die Black-Nadel bei guter Pflege eine mögliche Lebensdauer von bis zu etwa 1000 Stunden ohne nennenswerte Leistungseinbußen an. Danach lässt sich der Nadeleinschub separat tauschen, ohne den gesamten Tonabnehmer ersetzen zu müssen.

Das ist im Alltag ein großer Vorteil gegenüber vielen hochwertigen MC-Systemen.

Hat die Nadel irgendwann ihre Stunden hinter sich, muss kein kompletter Tonabnehmer entsorgt oder zum Retipping geschickt werden. Der Einschub wird gewechselt, der Generator bleibt.

Und wer noch weitergehen möchte, landet schließlich beim 2M Black LVB 250, dessen Nadeleinschub ebenfalls zur Bronze/Black-Familie kompatibel ist. Das klassische Black bleibt für uns trotzdem ein ausgesprochen interessanter Sweet Spot, weil es bereits den Shibata-Schliff und den hochwertigen Generator mit versilbertem OFC-Spulendraht bietet, ohne preislich völlig aus dem Rahmen der 2M-Serie zu fallen.

Optisch ist das Ganze erstaunlich unspektakulär.

Schwarz auf Schwarz.

Keine Farbe mehr, die den Rang innerhalb der Serie erklären muss. Das kantige 2M-Gehäuse bleibt, inspiriert von den Facetten eines Diamanten und ursprünglich gemeinsam mit Møller Jensen Design entwickelt, aber beim Black wirkt es beinahe etwas ernster als bei seinen roten, blauen und bronzefarbenen Geschwistern. Ortofon entwickelt und fertigt die 2M-Tonabnehmer in Dänemark. 

Es sieht aus wie ein Werkzeug.

Ein ziemlich schönes Werkzeug, aber eben eines, dessen eigentliche Aufgabe erst beginnt, wenn es auf der Platte sitzt.

Und vielleicht passt genau das zum Charakter des 2M Black.

Es braucht keine exotische Geschichte, kein Gehäuse aus irgendeinem seltenen Holz und keine technischen Versprechen, die nur unter Vollmond nachprüfbar sind.

Es besitzt einen ausgezeichneten Generator, einen sehr anspruchsvollen Diamantschliff und mehr als hundert Jahre Erfahrung eines Unternehmens, das sich ziemlich intensiv damit beschäftigt hat, wie man eine mechanische Bewegung von wenigen Mikrometern in Musik verwandelt.

Der Rest passiert in der Rille.

Unsere Meinung

Das Ortofon 2M Black ist für uns der Punkt, an dem die klassische 2M-Serie erwachsen wird und beginnt, ernsthaft an der Tür sehr hochwertiger Tonabnehmer zu klopfen.

Der Shibata-Diamant macht dabei den entscheidenden Unterschied. Gegenüber dem 2M Bronze wird die Wiedergabe nicht einfach spektakulärer, sondern feiner organisiert, räumlich tiefer und in kleinen dynamischen Abstufungen deutlich selbstverständlicher. Die große Kontaktfläche des Nude-Shibata-Schliffs erlaubt es dem Black, sehr tief in die Struktur einer Aufnahme hineinzuhören, während der Generator mit versilberten OFC-Spulen, kräftigen 5 mV Ausgangsspannung und klassischer MM-Kompatibilität erfreulich unkompliziert bleibt.

Es ist allerdings auch ein Tonabnehmer, der Respekt vor der Justage einfordert und dessen Qualitäten an einem guten Laufwerk mit guter Phonostufe deutlich stärker zur Geltung kommen. Wer einfach irgendein System anschrauben und anschließend vergessen möchte, dass vorne am Tonarm etwas passiert, kann günstiger glücklich werden.

Wer dagegen bereits einen guten Plattenspieler besitzt und wissen möchte, wie weit man mit einem klassischen MM-System gehen kann, sollte das Black unbedingt gehört haben.

Denn im besten Fall bekommt man hier nicht dieses typische „mehr Detail“, das man fünf Minuten lang beeindruckend findet.

Man bekommt mehr von der Aufnahme selbst: mehr Luft um eine Stimme, mehr Struktur in einem Basslauf, mehr Tiefe hinter den Musikern, mehr Ruhe zwischen den Tönen und vor allem ein stärkeres Gefühl dafür, dass Musik nicht aus einzelnen Frequenzen besteht, sondern aus Bewegungen, Räumen und winzigen zeitlichen Beziehungen.

Das 2M Black ist dabei keineswegs höflich, und genau das mögen wir daran. Wenn eine Platte großartig ist, kann es sie mit einer Offenheit und Intensität spielen, die einen sehr schnell daran erinnert, warum wir uns überhaupt noch mit diesem herrlich unpraktischen Medium beschäftigen.

Nicht wegen des Rituals.

Wegen der Musik, die darin steckt.

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